Katze hat Angst vor Transportbox – oder doch nicht mehr?

Die Angst meiner Katze vor ihrer Transportbox ist nahezu legendär. Bis vor Kurzem hätte ich jedenfalls noch gesagt, dass die Begegnung mit der Box für Luzi schlimmer ist als die mit der Tierärztin. Denn eine Ärztin musste es schon sein. Früher hatte Luzi nämlich auch Angst vor Männern.

Nun aber, ich kann nur staunen, steigt die Luz einfach so in ihre Box, um da nach Leckerli zu suchen. Wie konnte das passieren? Ist sie etwa altersmilde geworden?

Endgegner der Katze: die Transportbox

Als Endgegner habe ich die Transportbox immer beschrieben, so groß war die Angst meiner Katze vor dem Ding. Dabei hatte ich ganz zu Beginn unserer Freundschaft noch angenommen, diese Angst in den Griff bekommen zu können.

Damals dachte ich doch tatsächlich, es könnte helfen, Luzi nur so oft wie möglich mit der Box zu konfrontieren – ohne dass dabei irgendwas Schlimmes passiert. Ich dachte, wenn ich ihr das Ding mit Leckerli schmackhaft mache, dann freundet sie sich damit vielleicht noch an.

Nette Idee. Hat nur leider überhaupt nicht funktioniert.

Nie werde ich vergessen, wie ich damals die Box nur zusammenbauen wollte. Mehr nicht, nur die Schrauben befestigen. Und damit Luz zu uns, der Box und mich, kommt, hatte ich um uns herum ein paar Leckerli ausgelegt.

Das war das erste Mal, dass ich Luz hinter meinem Klo wiederfand. So weit wie nur irgendwie möglich von mir und der Box entfernt. Wenn die Transportbox also in Sachen Angst der Endgegner für meine Katze ist, dann ist das Klo der letzte Zufluchtsort.

Alternative zur Transportbox

Auch wenn diese Box für Luzi noch neu war, dachte ich damals schon über eine Alternative nach. Ich meine, sie hatte bis dahin noch nie in diesem konkreten Ding gesessen. Es konnte also noch nicht nach Tierarzt oder Angst riechen. Aber das Teil sah eben aus wie eine Transportbox, die irgendwann nach Tierarzt und Angst riechen würde.

Also besorgte ich eine Transporttasche. Die war eigentlich viel zu klein. Aber ich dachte, die kann ich mir zumindest unter den Arm klemmen und Luzi so vielleicht mehr Halt und Sicherheit bieten. Wenngleich Luzi es ja auch nicht mag, hochgehoben zu werden.

Aber die Macht der Angst war doch zu groß. Zwar haben wir wochenlang mit Leckerli geübt, in diese Tasche zu klettern. Aber als dann der Tag ihrer ersten Zahn-OP gekommen war, nützte auch das Gabapentin nichts, das ich ihr zuvor als Angstlöser gegeben hatte.

Luzi war schneller aus der Tasche, als ich reagieren und sie schließen konnte. In der Folge mussten Romy und ihr Lebensgefährte sie in die Box treiben, die sie mitgebracht hatten (da größer als meine). Vor Panik machte Luz sich ins Höschen (beziehungsweise auf meinen Teppich) – es war einfach nur schrecklich.

Später habe ich es dann mit einer Weidenhöhle probiert. Auch wenn die sich für den Arztbesuch nicht wirklich eignet, können Katzen sich darin nämlich wunderbar festkrallen und im Zweifel auch verletzen. Aber so weit ist es trotz allen Trainings bei uns nie gekommen. Ganz hinein gegangen ist sie trotz bester Leckerli in all den Wochen nur ein einziges Mal – und das auch nur ganz kurz.

Würde Luzi in Kartons klettern, hätte ich auch über einen großen Karton als Alternative nachgedacht. Aber Luzi meidet ja auch jeden Karton, der in ihr Revier einzieht.

Houston, wir hatten also immer ein Problem.

Wenn die Katze vor Angst die Wände hochgeht

Niemals werde ich auch den Tag der zweiten Zahn-OP vergessen. Der war ein halbes Jahr nach dem ersten Eingriff. Wieder hatte ich ihr Gabapentin gegeben und wieder war die Angst meiner Katze vor der Transportbox größer als die Wirkung des Mittels.

Damals waren Romy und ich nur zu zweit, es kam also nicht auch noch die Angst vor dem Lebensgefährten hinzu. Aber das half gar nichts. Luzi sah nur die Box, die Romy mitgebracht hatte, und nahm all ihre Kräfte zusammen, um vor uns zu flüchten. Zum Schluss wollte sie im wahrsten Sinne des Wortes die Wand hoch. Aber das konnte natürlich nicht klappen. Und so landete sie letztlich doch in ihrem Endgegner.

In der Folge habe ich also diese Situation immer gemieden. Mit den Alternativen wollte es ja auch nicht klappen. Also entschied ich, dass es besser ist, die Tierärztinnen zu uns nach Hause kommen zu lassen.

Aber ganz wohl war mir bei diesem Vorgehen nicht. Immerhin kann es ja jederzeit passieren, dass ich Luzi mal aus anderen Gründen transportieren muss. Zum Beispiel wegen einer Evakuierung. In einer Stadt, in der ständig Kriegsbomben gefunden werden, ein leider nicht unrealistisches Szenario.

Weiter trainiert, die Angst vor der Transportbox zu bewältigen, habe ich mit meiner Katze dann aber doch nicht. Aber ich habe mich an den Tipp gehalten, dass Ding nicht zu verstecken. Immer schon steht es vor der Balkontür und ist somit fester Bestandteil von Luzis Revier.

Transportbox nun häufiger im Einsatz

Jahrelang stand die Box nun also an ihrem angestammten Platz unter Luzis Fensterplatz, da kam ihr erster Einsatz. Das war, als wir als Notfall in die Tierklinik mussten. Und es lief viel unkomplizierter ab als damals, als es zu den OP-Terminen ging.

Vielleicht hatte es was damit zu tun, dass bei Luzi das Gabapentin immer etwas länger braucht, bis es seine volle Wirkung zeigt. Ich hatte ihr das Zeug an dem Tag jedenfalls früher gegeben. Und so war es für Romy gar kein Problem, Luz einzufangen und die Box zu setzen.

Und auch zu den Anlässen im vergangenen Jahr war der Transport nicht mehr das ganz große Drama. Selbst als ich ihr im Kontext ihres Vestibularsyndroms kein Gabapentin geben durfte (wegen einer neurologischen Untersuchung, die dann gar nicht stattgefunden hat), bekamen wir sie relativ gut eingetütet.

Sollte meine Katze also ihre Angst vor der Transportbox verloren haben?

Wenn die Katze altersmilde wird…

Vielleicht ist Luzi tatsächlich altersmilde geworden. Immerhin ist sie ja bereits eine kleine Methusalema. Vielleicht findet sie die Ausflüge aber auch irgendwie gut? Beängstigend findet sie sie auf jeden Fall noch immer. Sonst würde sie nicht anfangen zu hecheln. Aber vielleicht steckt hinter allem auch ein wenig Thrill, also die Lust an der Angst?

Immerhin hat sie nach solchen Ausflügen ein gesteigertes Interesse an ihrem Balkon. Und auch an der Wohnungstür, die sie wieder in diese für sie sonst ja unbekannte Welt da draußen führen würde.

So oder so, wegen ihrer Schilddrüsenüberfunktion wird Luzi nun öfter zum Tierarzt müssen. Der Weg dorthin ist nicht weit, aber in die Box muss sie dafür dennoch. Und die Box muss dahin ja auch irgendwie transportiert werden.

Zuletzt hatte ich dafür Hilfe durch die Nachbarin erhalten. Die hatte dann auch die zündende Idee für den nun anstehenden nächsten Termin. Diese Idee kam ihr, als wir auf dem Rückweg einen älteren Herren trafen, der Hilfe beim Bewältigen einer Stufe mit seinem Rollator brauchte.

Einen Rollator, so fiel ihr da ein, den habe sie doch auch. Von der verstorbenen Mutter noch. Und auf den könnten wir Luzi in ihrer Box doch stellen, dann müssten wir sie nicht tragen!

Katze in der Transportbox auf Rollator

So werden wir es nun machen. Vorhin haben wir es auch direkt ausprobiert. Wenngleich noch ohne Luz, stand die Box doch schon mal auf dem Rollator. Ja, das passt. Während die eine den Rollator schiebt, kann die andere die Box festhalten.

Auf jeden Fall wird das ein Bild für die Götter. Luzi mit ihrem eigenen Rollator! Ich lache mich jetzt schon tot.

Wenn sie dann aber trotz des Gabapentins, das ich ihr diesmal wieder geben werde, anfängt zu hecheln, werde ich wieder singen müssen. Das wird großartig. Die französische Nationalhymne zum Beispiel, die hat sich bekanntlich besonders bewährt. Oder passender noch: Luzi Colonia. Immerhin fallen Karneval und der nächste Arztbesuch auf einen Termin.

Ist es ein Rentier oder eine Krabbe? Luzi hat sich auch noch nicht entschieden.
Rentier oder Krabbe? Zu Karneval ist auch das egal.

Um das Bild der Lächerlichkeit zu komplettieren, könnte ich mir noch dieses Stirnband aufsetzen, das Romy mir zu Weihnachten geschenkt hat. Damit ich wie eine Krabbe aussehe, hatte sie gemeint. Wenngleich das Ding wohl doch eher ein Rentier aus mir macht.

Ob nun als Krabbe oder Rentier mit einer Katze, die eigentlich Angst vor ihrer Transportbox hat, auf dem Rollator der verstorbenen Mutter – das kannste dir kaum ausdenken und so auch nur zu Karneval in Köln bringen.

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