Bombenfund – nur wohin mit der Katze?

Ich vermute mal, dass jede/r gewisse Horrorvorstellungen hat. Der nächste Besuch beim Zahnarzt könnte so eine Panikattacke wert sein. Oben auf einem Turm stehen. Oder mit einem Aufzug steckenbleiben. Eine meiner schlimmsten Vorstellungen: Bombenfund in der Nachbarschaft, ich muss meine Wohnung verlassen und meine Katze zurücklassen.

Bombenfund in der Nachbarschaft – mal wieder…

Man muss nicht in Köln leben, um alle Nase lang davon betroffen zu sein. Früher habe ich mal gesagt: Du musst in Köln nur ein Loch buddeln und schon findest du eine Tonscherbe aus der Römerzeit. Mittlerweile ist es aber doch wohl eher so, dass du nur in irgendeiner deutschen Großstadt ein Loch graben musst, um eine dieser vielen Weltkriegsbomben zu finden.

Früher hat mir das nicht so viel ausgemacht. Wobei ich Glück hatte und tatsächlich nur ganz wenige Male von den Folgen betroffen war. Ich weiß noch, wie ich als Studentin als Aushilfe gearbeitet und von meinen Kolleginnen gehört habe: »Wir wurden gestern wieder evakuiert.« Ich dachte immer nur: Toll. Das passiert immer nur, wenn ich dort gerade nicht arbeite. Später als Angestellte war ich dann tatsächlich mal live dabei.

Aber mein Highlight der Bombenfunde war, als ich noch in der Südstadt in einer WG lebte. Kalter Winterabend, ich kam nach Hause und fand Polizei vor meinem Haus. Die erklärten mir, dass mein Haus wegen Bombenfund am Hafen evakuiert worden sei.

Also lief ich durch die Südstadt auf der Suche nach meinen Mitbewohnerinnen. Doch die waren nirgendwo. Und überhaupt sah das Geschehen in den Kneipen extrem entspannt aus. Nicht wissend, wo ich noch suchen sollte, ging ich zurück nach Hause. Nun stand dort keine Polizei mehr. Also ging ich hinein und fand meine WG völlig entspannt vor. Ich fragte: »Was macht ihr hier? Das Haus ist evakuiert!« Da guckten die mich mit großen Augen an. Fragten mich, ob ich Scherze mache. Oder ob ich mir nicht alles eingebildet habe.

»Wurden wir evakuiert?«

Echtes Entsetzen in Sachen Bombenfund kommt bei mir erst auf, seitdem ich mit einer Katze zusammenlebe. Unvergessen zwei Szenen, die stattgefunden haben, seitdem Luz ihr Revier bei mir aufgeschlagen hat.

Ich weiß noch, wie ich mich gewundert hatte, warum zum Teufel auf der Straße so viel los war. Sich stauende Autos, wohin das Auge schaute. Am Abend, als Luz und ich auf dem Bett kuschelten, rief mein Nachbar an. »Wurden wir evakuiert?« fragte er mich zu meiner Überraschung. Da machte es klick: Deshalb der starke Verkehr auf der Straße!

Nein, dieser Bombenfund hatte zu unserem Glück weit genug entfernt stattgefunden. Wir waren nicht betroffen, mein Nachbar konnte getrost nach Hause kommen. Der Radius der Evakuierung aber endete tatsächlich kaum hundert Meter von uns entfernt. Puh.

Wenige Tage später sprach ich mit meiner Physio darüber. Und sagte in dem Kontext etwas über die Baustelle unweit von uns. Daraufhin erzählte sie, die ihre Praxis auf der anderen Straßenseite hat, dass sie ein Jahr zuvor eben wegen eines Fundes auf dieser Baustelle evakuiert worden war. Ich nur so: »Bitte?!«

Wobei ich mich an die Szene noch erinnere. Ich wollte einkaufen gehen, musste aber feststellen, dass ich wegen Absperrungen gar nicht dort hinkonnte, wo ich hinwollte. Das hatte mir damals Sorgen gemacht und mich schnell wieder nach Hause zu meiner Luzi gehen lassen. Mehr war aber auch nicht passiert.

Nina warnt uns vor Bombenfund

Nun warnt die Nina App meine Katze und mich vor möglichen Katastrophen, Bombenfund inklusive. Die Nina App, das ist ein Notfall-Informations- und Nachrichten-Dienst des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, die ich seit der großen Flutkatastrophe im Sommer nutze.

Grundsätzlich finde ich diese App auch gut. Denn wenn es tatsächlich zu einem Bombenfund kommen sollte, von dem meine Katze und ich betroffen sind, würde sie mir Zeit verschaffen. Zeit, in der ich entscheiden kann, ob ich Luz eine ordentliche Dosis Gabapentin gebe. Um überhaupt eine Chance zu haben, sie in ihre Transportbox zu stecken und mitzunehmen.

Doch das setzt nicht nur gehörig Vorlauf voraus. Die Erfahrung sagt, dass Luz erst nach wenigstens drei Stunden die Welt tatsächlich gelassen betrachtet. Andererseits lässt die Wirkung natürlich auch irgendwann nach. Und natürlich kann ich Luzi nicht (wieder – siehe Tag in der Tierklinik) stundenlang in ihrer Box einsperren. Ich brauche dann also einen Ort für uns beide, an dem ich sie auch aus der Box herauslassen kann. Einen Ort, an dem wir beide im Zweifel auch übernachten könnten. Denn natürlich kann sich so eine Entschärfung extrem hinziehen.

Allen Katern zum Trotz kann dieser Ort eigentlich nur Romys Zuhause sein. Immerhin gibt es dort immer noch die schlimme Gittertür, die einst die Wohnung in zwei Reviere aufgeteilt hat. Das wäre für alle Betroffenen nicht schön, aber wahrscheinlich irgendwie noch machbar. Wie ich Luz dann wieder in die Box hineinbekomme, wenn alles vorbei ist, steht noch auf einem ganz anderen Blatt geschrieben.

Aktueller Fall: Bombenfund in Köln Sülz

Im nun aktuellen Fall kam uns die Evakuierung wieder besonders nah. Nina meldete einen Bombenfund im angrenzenden Nachbarviertel. So nah, dass mein innerer Navi von keinen 500 Metern Entfernung sprach. Und auch so nah, dass mein innerer Navi davon ausging, dass auch Romy und die Katers betroffen sein könnten.

Ich war also schon fast dabei, meine Tasche zu packen, und fragte mich, was wichtiger sein könnte als Luzi. Eine Bekannte hatte mal gesagt: Unterwäsche zum Wechseln, Rechner und Zeugnisse. Ja, schon. Aber was will ich mit der Unterwäsche und dem Rechner, wenn ich vergehe vor Sorge um mein Bärchen?!

Nun täuscht sich mein innerer Navi zum Glück ziemlich oft. Der Radius betrug diesmal auch nur 300 Meter. Und selbst wenn es die üblichen 500 Meter gewesen wären, wären wir immer noch nicht betroffen gewesen.

Aber wären wir betroffen gewesen, dann wäre es auch Romy. Und dann würde für Luz und mich das auserkorene Notquartier wegfallen. Wir müssten uns vielmehr alle zusammen eine Lösung suchen. Aber das wäre keine Lösung für Luzi. Die kann ich nicht einfach so überall hin mitnehmen.

Haustiere nicht bei Evakuierung eingeplant

Nun mag eine/r sagen: »Ach, da passiert doch nix!« Und ja, das würde ich mir natürlich auch gebetsmühlenartig sagen. Aber Fakt ist: Wenn nie etwas passieren würde, gäbe es keine Evakuierungen. Dann dürfte man selbst zu Hause bei der Katze (oder dem Kaninchen, dem Hamster, dem Meerschweinchen…) bleiben, Bombenfund hin oder her.

Abgesehen von allen Sorgen und Überlegungen: In eine der Notunterkünfte, die die Stadt einrichtet, soll man Haustiere sowieso möglichst nicht mitbringen. Zumal Haustiere ohnehin nicht von der Notwendigkeit der Evakuierung betroffen sind. Während Menschen der Anordnung folgen müssen, sollen Haustiere also tatsächlich zu Hause bleiben.

Mann, was bin ich mal wieder froh, dass dieses Fass einmal mehr an uns vorbeigezogen ist! Und mal ganz nebenbei: Ohne Nina hätte ich von allem gar nichts mitbekommen und mir auch keine Sorgen machen müssen. Vielleicht hätte ich mich mal wieder ein wenig über das Verkehrsaufkommen gewundert. Das wäre es aber auch schon gewesen…

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