Weidenhöhle für Katzen: Husch husch ins Körbchen, Luzi!

Seit gut zwei Monaten sind Luz und ich Besitzerinnen einer Weidenhöhle für Katzen. Und seit etwa anderthalb Monaten trainieren wir jeden Tag mit dem Ding. »Husch, husch ins Körbchen«, heißt es dann. Unser Ziel: dass ich sie in dieser Korbhöhle transportieren kann. Gegenwärtiger Trainingszustand: An einem von sieben Tagen klettert sie vielleicht ganz hinein.

Motivation Weltkriegsbombe

Irgendwann letzten Herbst rief mich mein Nachbar an. Zu meiner Überraschung fragte er: »Sind wir evakuiert worden?« Nein, waren wir nicht (aber in dem Moment verstand ich das enorme Verkehrsaufkommen auf unserer Straße). Der Fund einer Weltkriegsbombe hatte zu unserem Glück dann doch weit genug entfernt stattgefunden. Mein Nachbar konnte also von der Arbeit nach Hause kommen. Und Luzi und ich konnten weiter kuscheln.

Wenngleich ich nicht mehr so entspannt dabei war. Zu sehr ging mir die Frage durch den Kopf, was ich tun soll, sollte das mit der Evakuierung auch mal uns betreffen.

Bislang hatte das Verlassen des Reviers immer mit Arztbesuchen zu tun. Für den Luzi-Transport muss dann unsere Geheimwaffe ran. Sprich: Romys Freund muss als Eintüter vom Dienst kommen. Und damit sie sich nicht ganz so doll wehrt, bekommt Luzi zuvor ihre Rosa-Brille-Pille. Mit anderen Worten: Ohne große Planung verlassen wir nicht das Haus. Spontan geht hier gar nichts.

Doch was wäre, wenn es spontan klappen müsste? Die oben erwähnte Weltkriegsbombe ist in einer Stadt wie Köln ja keine Seltenheit. Zumindest einmal zuvor war so ein Fund uns noch näher gekommen. Da mussten alle Bewohner auf der Straßenseite gegenüber ihre Wohnungen verlassen. Nur wir konnten bleiben, wo wir waren.

Was soll ich mit Luz nur machen, wenn auch mein Haus von so einer Evakuierung betroffen ist? Sie einfach zurücklassen und hoffen, dass nichts passiert?

Einzug der Weidenhöhle für Katzen

In den nächsten Woche hat mich das Thema dann weiter beschäftigt. Und so kam die Idee auf, es vielleicht mal mit einer Weidenhöhle für Katzen zu probieren. In der Hoffnung, dass Luzi so ein Ding noch nicht kennt. Somit also auch nicht weiß, dass es auch für den Transport gedacht ist.

Es ist ja nicht so, dass wir keine Transportbox hätten. Doch die hat Luz noch nie von innen gesehen. Als ich diese Box mal hervorgeholt hatte, war Luz von jetzt auf gleich verschwunden. Wiedergefunden hatte ich sie hinter meiner Toilette, ihrem letzten Zufluchtsort.

Also hatte ich damals eine Transporttasche organisiert und mit Luz damit für den anstehenden Arzttermin trainiert. Allerdings hatte ich damit nicht früh genug begonnen. Am Tag des Einsatzes konnte auch die Rosa-Brille-Pille nicht helfen. Also musste der Chef-Eintüter ran und der bringt seine XL-Transportbox immer mit.

Nun soll es also unser Training mit der Weidenhöhle für Katzen richten. Statt direkt zu flüchten, hat Luz sich der im ersten Moment neugierig genähert. Nach ein bisschen Schnüffeln war es das dann aber auch schon mit ihrem Interesse. Also stand das Ding in der Folge erst einmal ungenutzt in der Ecke herum.

Die Katers Joschi und Cobi würden sich wahrscheinlich darum streiten, wer das Hausrecht in dieser Höhle hat, dachte ich. Aber die sind ja auch ganz jeck auf Kartons. Bei Luz bleibt hingegen gar nichts anderes übrig, als ihr Korb oder Karton mit viel Leckerli schmackhaft zu machen.

Luzis Weidenhöhlen-Training

Dass das Transport-Training, sei es mit Box, Tasche oder Weidenhöhle, eine langwierige Angelegenheit sein kann, war mir schon klar. Immerhin sprechen wir hier von Luzis größter Angst. Die kann man nicht einfach mal eben so mit einer paar Leckerli wegtrainieren.

Über das konkrete Vorgehen hatte ich bereits kurz nach Luzis Einzug in dem schon oft zitierten Clickertraining-Buch gelesen. Eine übersichtliche Auflistung findet sich aber auch auf dem Katzenfieber-Blog.

Wesentlich für eine Angstkatze wie Luzi ist jedenfalls, dass es unendlich viel Zeit und Geduld braucht. Und dass man sich dabei klarmacht, dass alles auf Basis von Freiwilligkeit passieren muss. Luzi muss verstehen lernen, dass von diesem Korb-Dings nichts Böses ausgeht. Somit darf mit dem Training keinerlei Form von Zwang verbunden sein. Dazu gehört, dass man als Mensch niemals beim Einsteigen nachhilft. Also nicht mal eben den hübschen Popo anschiebt. Auch wenn es noch so verlockend ist.

Für uns lauten die Trainingsschritte also:

  1. Luzi verknüpft die Weidenhöhle mit Leckerli, sprich: mit ihrem Trockenfutter. Um da ranzukommen, steckt sie freiwillig den Kopf und ihre Vorderpfoten in die Höhle.
  2. Luzi klettert freiwillig ganz in die Höhle und lässt sich mit Leckerli füttern.
  3. Sie bleibt noch ein wenig länger in der Höhle, schleckt meine Hände ab und lässt sich auch noch ein wenig kraulen.
  4. Luzi bleibt so lange in der Höhle, dass ich es wagen kann, die Tür für eine Sekunde zu schließen. Zur Belohnung gibt es reichlich Leckerli.
  5. Sie bleibt so lange ruhig in der Höhle, dass ich die Tür für mehrere Sekunden schließen kann. Währenddessen gibt es Leckerli.
  6. Luzi bleibt bei geschlossener Tür in der Höhle, die ich für eine Sekunde anhebe. Leckerli!
  7. Aus einer Sekunde werden mehrere. Reichlich Leckerli!
  8. Ich wage den ersten Schritt mit dem Transportkorb, in dem Luzi ruhig sitzt. Noch mehr Leckerli.
  9. Aus einem Schritt werden mehrere. Bekomme ich das mit den Leckerli eigentlich hin, während ich Korb mit Luz trage?
  10. Ich trage Luzi in ihrem Weidenkorb aus der Wohnung und wir schauen uns gemeinsam das Treppenhaus an. Spätestens dort gibt es wieder Leckerli satt.

Über die weiteren Schritte, die aus dem Haus, in ein Auto und damit sonst wohin führen, mag ich noch gar nicht nachdenken.

Aktueller Stand

Nach nunmehr sechs Wochen täglichen Trainings befinden wir uns irgendwo zwischen Schritt 2 und 3. Konkret bedeutet dies: An ungefähr einem von sieben Tagen ist sie willens, ganz in den Korb zu klettern und sich dort füttern zu lassen. Hinterher schleckt sie meine Hände ab und ich darf sie auch noch ein wenig kuscheln.

An allen anderen Tagen sieht sie den Punkt nicht, warum sie meiner Aufforderung »Husch, husch ins Körbchen!« Folge leisten sollte. Dann steht sie nur mit den Vorderpfoten im Korb und sucht nach den Leckerli, die ich für sie platziere.

Dennoch hat sie mir an Weihnachten das Geschenk gemacht, nach dem Kuscheln noch so lange im Korb zu verweilen, bis ich mein Telefon geholt und ein Bild gemacht hatte. Mehr als ein leider nicht ganz so scharfes Foto war aber nicht drin. Zehn Tage später hat sie mir dann das zweite Bild gegönnt. Ihre Augen sprechen zwar Bände darüber, dass es nun aber auch reicht mit Höhle und Fotos, aber immerhin: Diesmal hatte ich Zeit für die Bildschärfe.

Wir haben also noch viel Arbeit vor uns. Ich tippe mal auf den Sommer 2022, da ich mit ihr zum ersten Mal gemeinsam vor die Tür treten kann. Wenn ich sie dann bei all den Leckerli, die sie in der Zwischenzeit gefuttert haben wird, überhaupt noch tragen kann.

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