Tierarzt Hausbesuch: Wenn die Prophetin nicht zum Berg will…

Luzi hasst Tierärzte. Dass das mal klar ist. Was Luzi aber noch mehr fürchtet als den Tierarzt ist der Weg zum Tierarzt. Dafür wird man eingefangen und in eine Transportbox gesteckt. Schließlich auch noch aus dem Revier getragen und in ein Auto verfrachtet. Das macht aus Luzi, dem Lämmchen im Katzenfell, einen wilden Tiger. Also habe ich mich dazu entschlossen, mich auf einen Tierarzt Hausbesuch einzulassen.

Der Feind im eigenen Revier?

Tierarzt Hausbesuch? Lange haben Romy und ich dieses Thema diskutiert: Holst du dir damit nicht den Feind ins Haus und kontaminierst Luzis Revier? Mag sein, habe ich damals immer wieder gesagt. Aber ist für Luz nicht der Transport mindestens genauso schlimm? Der fällt dann wenigstens weg.

Nun bin ich im Gegensatz zu Romy ein TV-Junkie. Und vor allem schaue ich regelmäßig Tiersendungen. So zum Beispiel »Bildungs-TV« wie Hund Katze Maus. Daher wusste ich, dass es in Köln zumindest den Mobilen Tiernotdienst gibt. Dass der tatsächlich nur im Notfall kommt, war schon klar. Aber das Wissen um dieses Angebot hat bei mir die Idee aufkommen lassen, nach einem Tierarzt zu suchen, der auch Hausbesuche macht.

Gerungen mit mir habe ich aber trotzdem noch lange. So sind Romy und ich sogar erst einmal ohne Luz in die Tierarztpraxis gegangen, um eine Einschätzung zu bekommen. Mir war nicht klar, ob ich Luzi den Stress überhaupt antun müsste. Immerhin war sie nur wenige Wochen zuvor bei einem anderen Tierarzt gewesen. Auch wollte ich die Praxis erst einmal selbst kennen lernen. Und ich wollte wissen, wie die Erfahrungswerte in Sachen Tierarzt Hausbesuch sind. Hasst mein Luz mich danach?

Damals hieß es, dass gerade für Angstkatzen wie Luz der Feind im Revier leichter zu ertragen ist, als in die Praxis gefahren zu werden. Im Prinzip erhielt ich die Bestätigung für meine eigene Einschätzung: kein schrecklicher Transport, keine Begegnung mit anderen Tieren. Das macht den Tierarzt Hausbesuch nicht zur besten Erfahrung, die man als Angstkatze so machen kann. Aber reduziert das Ganze doch wenigstens um so manch anderen grausigen Faktor.

Rosa Brille erleichtert den Tierarzt Hausbesuch

Es hat dann noch eine ganze Weile gedauert, bis ich tatsächlich zum Hörer griff und einen Termin gemacht habe. Zwischendurch gab es noch den ein oder anderen Tipp, den ich telefonisch bekommen hatte. Aber irgendwann war klar, dass weitere Hilfestellung nur auf Basis von Inaugenscheinnahme möglich ist.

Nun hieß es, dass die Praxis gute Erfahrung gemacht habe mit Gabapentin. Das ist ein Medikament aus der Humanmedizin, das vor allem Patienten mit Epilepsie gegeben wird. Bei Katzen habe es den schönen Effekt, dass sie noch immer alles mitbekommen, nun aber gefärbt durch eine rosa Brille. Wenn ich wollte, könnte ich mir vor dem Termin also eine Kapsel »Gaba«, wie es kurz genannt wird, abholen.

Der Tierarzt Hausbesuch fand an einem Nachmittag statt. Gut für mich, nicht so toll für Luz. Wegen des geplanten Großen Blutbildes musste sie nüchtern sein. Kein Frühstück und zu Mittag gab es nur ein wenig Schlecki mit besagtem Gaba. Pulver in Schlecki vom Löffel kannte Luz schon. Lange hatte ich ihr auf ärztlichen Rat hin täglich Zylkene gegeben. Das ist ein Präparat, das zum kätzischen Wohlbefinden beitragen soll und Luzi schon durchaus geholfen hat zu entspannen. Zum Beispiel an Sylvester.

Um Entspannung geht es auf jeden Fall auch bei Gaba. Das braucht seine zwei Stunden, bis es seine volle Wirkung erreicht hat. Aber bereits nach einer Stunde bekam Luz diesen anderen Blick auf die Welt und torkelte wie sturzbetrunken durch die Wohnung. Ich werde aber auch nie vergessen, mit welcher Glückseligkeit sie mir beim Spiel »Bändchen unterm Teppich« zugeschaut hat. Fast wäre ich eingeschlafen, so entspannt war die Szene.

Einzig nicht so schön: Ungefähr eine halbe Stunde nach der Einnahme hat sich Luzi übergeben.

Untersuchung auf dem Fußboden im Flur

Die Untersuchung, so hatten wir es vorbesprochen, sollte in meiner Küche stattfinden. Auf gar keinen Fall wollte ich die Nemesis in heiligen Räumen wie unserem Schlafzimmer wissen. Und das vom mobilen Tierarzt bevorzugte Badezimmer kommt bei uns nicht in Frage, weil Luz sich dort perfekt hinter der Toilette verschanzen kann.

Stattgefunden hat die Untersuchung dann tatsächlich im Flur auf dem Fußboden. Ein Anblick für die Götter: Luz in eines meiner Handtücher gewickelt und zwischen den Beinen der Helferin, während die Tierärztin vor den beiden hockte. Von Luz sah ich im Wesentlichen noch ihre großen Augen, mit denen sie sich alles neugierig anschaute. Kurios!, mag auch sie in dem Moment gedacht haben. Oder was auch immer eine Katze denkt, wenn sie Kurios! meint.

Wäre die Diagnose nicht so niederschmetternd gewesen, ich hätte diesen Tierarzt Hausbesuch als ein sehr nettes Erlebnis in Erinnerung. Ich meine: Hallo?! Meine Luzi lässt sich von einer Tierärztin kuscheln! Überall anfassen! Abhören. Gibt ihre Pfote zur Blutabnahme. Und das alles völlig undramatisch!

Kein Kampf, keine Panik, keine Verletzung bei der Flucht durch das Behandlungszimmer! Da nehme ich doch auf jeden Fall ein wenig Kotzerei in Kauf – zumal ich das ja leider schon gewöhnt bin und dies auch einer meiner Gründe für den Termin war.

Böse Verdachtsdiagnose

Leider hat dieser Hausbesuch dann eine böse Diagnose hervorgebracht: Luzi ist eine FORL Katze. Also eine Katze mit massiven Zahnproblemen. Damals war es erst einmal nur ein Verdacht, von dem ich noch nicht wusste, was das genau bedeutet. Aber eines war schon klar: dass Luzis Verdauungsprobleme wahrscheinlich auf schlimmsten Zahnschmerzen basierten.

Für die genaue Diagnostik und die Behandlung war ein Termin in der Praxis jedenfalls unvermeidlich. Für den Moment aber hatte Luzi den Tierarzt Hausbesuch nicht nur überstanden. Sie hatte ihn auch gemeistert. Und wie es heißt, soll Gaba dazu beitragen, die Angst zukünftig zu reduzieren.

Tierarzt Hausbesuch Fazit

Luz hatte alles freiwillig mitgemacht. Hätte sie sich wehren wollen, sie hätte es gekonnt. Sicherlich hätten wir dann andere Geschütze auffahren müssen. Aber hier hat die Untersuchung ohne Schutzhandschuhe stattfinden können. Weil Luz keinen Grund gesehen hat, sich wehrhaft zu zeigen. Oder sich der Untersuchung zu entziehen.

Es war nicht das letzte Mal, dass ich Luz Gabapentin geben musste. Mittlerweile weiß ich, dass sie sich immer spätestens nach einer halben Stunde erbricht. Auch weiß ich, dass sie beim Anblick der Transportbox noch einmal alle Kräfte reaktiviert, um sich zu wehren. Die rosa Brille hat also ihre klaren Grenzen. In der Tierarztpraxis ist sie dann aber wieder das neugierige Kätzchen, das alles freiwillig mitmacht.

Von daher würde ich jederzeit den Tierarzt Hausbesuch dem Besuch in der Praxis vorziehen. Dabei bin ich mir ziemlich sicher, dass Luzi das genauso sieht. Und das kann ich auch belegen: Ihr Blutzucker ist nämlich im Normbereich geblieben. Nix da Stress-Hyperglykämie! Kommt hingegen die Transportbox ins Spiel, steigt ihr Zuckerwert in solch exorbitante Höhen, dass eine Katze mit Diabetes nur staunen kann.

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