Baldrian macht Katzen glücklich

Luzi und ihr Ex-Mitbewohner Joschi sind bekanntlich in kaum einer Hinsicht einer Meinung. Als sie sich noch ein Revier teilen sollten, konnten sie sich auf keine Form des Miteinanders einigen. Joschi wollte mit Luz wild spielen. Luzi aber wollte einfach nur ihre Ruhe, vor allem vor ihm. In einem aber sind beide sich einig: Baldrian macht Katzen glücklich. So glücklich, dass sie beide diese übelst stinkende Wurzel auch futtern würden.

Baldrian ist ein echter Stinker

Baldrian hat auf Katzen bekanntlich eine andere Wirkung als auf Menschen. Zu dieser Wirkung gehört nicht nur, dass die Wurzel dieses Gewächses die meisten Katzen eher antörnt, während sie Menschen als Beruhigungsmittel dient.

Auch auf die Ausdünstungen der Baldrianwurzel reagieren Katze und Mensch völlig unterschiedlich. Für die meisten Menschen stinkt die Wurzel nach Schweißfüßen, zu denen sich noch das Aroma von Biomüll gesellt. Allerdings soll es auch vereinzelt Menschen geben, die finden, dass Baldrian angenehm duftet.

Katzen nehmen Baldrian im Allgemein als hochattraktiven Duft wahr. Damit stehen sie – bis auf eben erwähnte menschliche Ausnahme – so ziemlich alleine da. Denn dieser Gestank hat seinen Sinn.

Für die eigentümliche Duftnote sind bestimmte chemische Verbindungen zuständig: Actinidin und Nepetalacton kommen unter anderem in Katzenminze, erstere vor allem auch in Baldrin vor. Ihr Zweck ist eigentlich die Abwehr von Fressfeinden. In Hinblick auf Katzen funktioniert diese Strategie aber mal so gar nicht gut.

Was Baldrian mit Katzen macht

Es soll Katzen geben, die überhaupt nicht auf Baldrian reagieren. Gründe dafür scheint es zu geben – oder auch nicht. Soll heißen: Es könnte was mit dem Duft von Sexualhormonen zu tun haben. Es könnte sogar ein passendes Gen geben. Oder aber es ist einfach nur eine Frage des Geschmacks.

Luzi zum Beispiel reagiert fast gar nicht auf Katzenminze, während sie fast immer auf Baldrian abgeht. Mit Spielspray kann ich sie gar nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Mit Baldrian hingegen schon.

Es könnte aber auch Tagesform eine Rolle spielen. Denn auch wenn Luzi Baldrian durchaus zugeneigt ist, reagiert sie nicht immer gleich auf ihre Lieblingsdroge.

Luzis Reaktionen auf Baldrian

Im Allgemeinen macht Luzi mit ihrem Baldriankissen genau das, was auch andere Katzen machen: Erst schnüffelt sie an dem Kissen, dann reibt sie ihr Schnäuzchen daran. Was folgt, hängt ab von a) ihrer Lust und Laune, b) der aktuellen Sternenkonstellation und c) von anderen kosmischen Kräften, die nur Katzen verstehen.

Es kann also sein, dass Luzi sich einfach nur zu dem Kissen legt und sich ausgiebig putzt.

Alternativ kann es auch sein, dass sie wie paralysiert neben dem Kissen liegen bleibt.

Möglich ist auch eine Mischung aus beidem: Die Paralyse folgt dem Putzen. Oder das Putzen der Paralyse.

Es kommt aber durchaus vor, dass Luzi sich hinlegt und mit dem Kissen spielt. Sie es also wie Joschi in ihren Pfoten hält und sich daran reibt. Oder auch ihre Füße zu Hilfe nimmt und das Kissen ordentlich malträtiert.

In jedem Fall dauert die Begeisterung nicht allzu lange an. Fünf Minuten, wenn es hoch kommt. Dann springt sie unvermittelt auf, schüttelt sich einmal. Und schaut sich um. Als wolle sie sicherstellen, dass sie doch bitte keiner dabei beobachtet hat, wie sie sich hat gehenlassen. Als hätte sie einen Ruf zu verlieren.

Wenn das Baldriankissen zur Maus wird

Schließlich habe ich es auch einmal erlebt, dass Luzi wohl dachte, das Kissen sei eine Maus. Also eine echte Maus. Ihre Beute.

Wie aus dem Nichts sprang sie plötzlich auf, pfefferte das Baldriankissen einmal quer durch das Zimmer und sprang hinterher. Jonglierte dann mit dem Kissen. Schmiss es wieder einmal quer durchs Zimmer. Sprang wieder hinterher. Um dann allem genauso unvermittelt den Rücken zuzukehren, wie sie damit begonnen hatte.

Mit offenem Mund sah ich dabei zu. Zu perplex, um zum Telefon zu greifen und die Szene aufzunehmen. Das wäre nicht schlecht gewesen, denn manchmal frage ich mich, ob ich mir das Ganze nur eingebildet habe.

Aber doch, ja, die Szene hatte viel von dem, was Luzi einmal mit einem Stückchen Stoff veranstaltet hatte. Und genau wie die Stoffszene erinnert es mich daran, dass auch Luzi eine Räuberin ist, die ab und an mal trainieren muss.

Dürfen Katzen Baldrian futtern?

Bei Joschi bin ich mir nicht ganz so sicher, aber von Luzi weiß ich es sicher: Sie hat Baldrian zum Fressen gern.

Ich erinnere mich an einen meiner Kennenlern-Besuchen. Romy hatte noch einen Rest Baldrian aus der Apotheke und Luz davon gegeben. Die rekelte sich damit glücklich auf dem Sofa – und futterte das Zeug schließlich genüsslich auf!

Nun haben wir beide erst im Nachhinein gelesen, dass das vielleicht nicht die klügste aller Ideen war. Zumindest in größeren Mengen soll Baldrian für Katzen nicht wirklich bekömmlich sein.

So oder so werde ich nicht in Versuchung kommen, das noch einmal auszuprobieren. In Apotheken bekommt man das Zeug nämlich nur in relativ großer Mindestmenge (200 Gramm). Also bescheiden wir uns hier mit den handelsüblichen Baldriankissen – und sind auch glücklich.


Beitragsbild Joschi: Romy. Alle Luzi-Bilder: Britta

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