Versteht meine Katze Trauer um eine verstorbene Freundin?

Nach schwerer Krebserkrankung ist nun eine meiner besten Freundinnen verstorben. Zum Schluss ist es sehr schnell gegangen, wie man so sagt. Auch Luzi kannte sie natürlich. Aber auch wenn ich sicherlich nicht davon ausgehe, dass Luz um meine Freundin trauert, so frage ich mich: Wie viel von meiner Trauer versteht meine Katze?

Fatale Diagnose

Seit etwas mehr als einem Jahr war die Diagnose bekannt. Wie aus heiterem Himmel war sie damals über meine Freundin hereingebrochen. Aber auch wenn wir alle wussten, dass diese Diagnose wirklich fatal war, wirkt die Hoffnung doch immer stark.

Im vergangenen Jahr habe ich sie so intensiv begleitet, wie es mir angemessen erschien. Damit will ich sagen, dass ich nicht durch ungewöhnlich häufiges Anrufen und Besuchen meine Sorge über ihre Hoffnung stülpen wollte. Wegen Corona war es sogar so, dass wir uns im vergangenen Jahr eher seltener gesehen haben als zuvor. Aber wir haben regelmäßig telefoniert und dabei auch über ihre Ängste und Sorgen gesprochen. Deshalb weiß ich auch, dass sie ihre verbliebene Zeit genutzt hat, um alle wichtigen Dinge zu regeln.

So unerwartet die Diagnose damals kam, so unerwartet folgte nun das Ende. Wobei das wahrscheinlich nur für mich gilt. Wenn ich nun an unsere letzten Gespräche denke, hallen Sätze nach, die von ihrer bösen Ahnung sprachen. Allein ich wollte dies zu dem Zeitpunkt nicht so recht zulassen, wollte es nicht annehmen. Und das ist nicht das erste Mal, dass mir das passiert. Der Verstand spricht die eine, das Gefühl aber eine ganz andere Sprache.

Es ist nun nicht das erste Mal, dass ich um einen geliebten Menschen trauere. Ganz im Gegenteil: Ich habe wohl mehr Erfahrung mit Verlust und Trauer machen müssen als die meisten Menschen meines Alters. Bislang aber habe ich meine Trauer noch nie mit einer Katze teilen müssen.

Können Katzen trauern?

Katzen sind wie wir und andere Säugetiere empfindungsfähig, das ist klar. Es ist nur so schwer herauszufinden, wie weit die Emotionen gehen.

Paul Ekman hat für Menschen sieben Grundemotionen nachgewiesen: Freude, Wut, Ekel, Furcht, Verachtung, Traurigkeit und Überraschung. Seine Forschung, zusammen mit seinem Kollegen Friesen, basierte auf Gesichtsausdrücken, die unsere Emotionen widerspiegeln.

Eine vergleichbare Untersuchung gibt es zu den Gesichtsausdrücken von Katzen. Doch die Ergebnisse wirken sehr unbefriedigend. Aber selbst wenn ich der Überzeugung bin, in Luzis Gesicht mehr als mäßiges Interesse, Furcht und Frust ablesen zu können, werde ich mir doch nie sicher sein können, ob ich nicht etwas sehe, das gar nicht da ist.

Immerhin kann ich mit Luzi nicht darüber sprechen. Dennoch bin ich mir sicher, dass Luzi während der letzten Tage realisiert hat, dass etwas Schlimmes passiert sein muss. Nur hat sie wahrscheinlich nicht verstanden, was mit mir los ist.

Meine Katze kennt Verlust und Trauer

Sicher bin ich mir auch, dass Luz selbst schon getrauert hat. Denn auf jeden Fall kennt sie Verlust.

Der Verlust ihrer Bezugsperson ist letztendlich der Grund, warum sie damals ins Tierheim und dann zu Romy kam, um schließlich bei mir zu landen. Was sie damals durchgemacht, wie sie es erlebt hat, aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen zu werden, kann sie leider nicht erzählen. Man konnte ihr Leid allerdings sehen.

Sie hatte im Tierheim niemanden an sich herangelassen, hatte sich immer nur versteckt. Und als Romy sie damals adoptierte, war Luz auch ein sehr schmales Kätzchen geworden. Wissen können wir natürlich nicht mit Sicherheit, wie ihr Körperbau zuvor war. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die kleine Miss Nimmersatt bereits ein derart schmales Kätzchen war, bevor sie ihre Bezugsperson verloren hatte. Wahrscheinlich hat sie in ihrer Trauer und ihrer Angst einfach keinen Appetit mehr gehabt.

Ich gehe also davon aus, dass Katzen Verlust empfinden und trauern. Aber haben sie eine Idee davon, was Tod bedeutet? Könnte man sie interviewen, würden sie ähnliches antworten wie einst die Gorilladame Koko? Koko beherrschte die Gebärdensprache. Und als sie gefragt wurde, wohin tote Gorillas gehen, antwortete sie: »Gemütliches Loch tschüss«. Denn ja, offenbar kommt es vor, dass Gorillas die sterblichen Überreste ihrer Artgenossinnen beisetzen.

Nun ist Luzi aber keine Gorilladame. Und auch wenn sie meine Freundin kannte, trauert sie sicherlich nicht um sie. Aber sie hat nun meine tränenreiche Trauer miterlebt. Immer wieder habe ich ihr gesagt, dass es nichts mit ihr zu tun hat. Was sie natürlich auch nicht verstanden hat. Ich hoffe aber, dass sie realisiert hat, dass ich mich trotz meines Zustands noch immer um sie gekümmert habe.

Geteilte Trauer mit Katze

Geteiltes Leid ist halbes Leid, der Spruch ist bekannt. Er ist aber auch richtig. Noch nie zuvor aber habe ich Trauer mit einer Katze geteilt. Bislang waren es immer Freundinnen, die vorbeikamen und mir dabei halfen, mich wieder zu fassen.

So geschehen auch jetzt. Eigentlich wollte ich nicht als heulendes Elend vor Romy sitzen. Aber dann wurde mir klar, dass ich dringend Nachschub für Luzis Schmerzmittel brauchte. Ich war nur nicht in der Lage, es selbst zu besorgen. Also erledigte Romy dies in ihrer Mittagspause für mich und blieb dann auch noch eine Weile bei uns.

Wir haben viel über meine verstorbene Freundin gesprochen, die Romy natürlich auch kannte. Wir haben aber auch über Luz und so manch anderes geredet. Das hat gutgetan und geholfen.

Aber auch Luzi hilft. Das vergangene Wochenende haben wir beide im Bett verbracht. Luzi war dabei stiller, als sie es sonst ist. Doch haben ihre Bedürfnisse mich an das Leben erinnert. Ich habe mich also nicht so gehenlassen können, wie es vielleicht sonst getan hätte. Und bei allem habe ich versucht, die kleine Luz nicht mit meiner Trauer zu überschütten. Sie kann ja nichts dafür.

Immer wieder überflutet mich das Bedürfnis, mit meiner Freundin über all das reden zu können, was in den letzten Tagen passiert ist. Denn das konnten wir: über die harten Themen des Lebens und dessen Ende sprechen. Aber das ist nun nicht mehr möglich.

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