Oje, meine Katze ist zu dick!

Als ich Luz kennen lernte, wog sie ungefähr 6 Kilo. So ganz genau kann man das nicht sagen, denn sie hatte ihre Pfoten schon lange nicht mehr auf eine Waage gesetzt. Romy zog jedenfalls die Reißleine und erteilte ein Leckerli-Verbot. So kam es, dass es kurz vor ihrem Einzug bei mir noch tierärztlich bescheinigte 5,8 Kilo waren. Auch damit war klar: Diese Katze ist zu dick! Über ein Jahr später wog Luzi nur noch 5 Kilo. Wie haben wir das geschafft? Auf jeden Fall mit mehr Zufall und Glück als Verstand. Aber das wusste ich damals noch nicht…

Wie erkenne ich, dass meine Katze zu dick ist?

Es braucht nicht unbedingt den Tierarzt, der einen mit der grausamen Wahrheit konfrontiert. Schließlich gibt es ja den Trick mit dem Ertasten der Rippen. Ertasten der Rippen? Meine Katze hat Rippen?! Ging mir genauso. Luzis Rippenpolster ist so großzügig bemessen, da gibt es nicht viel mehr zu ertasten als die herrliche Weichheit meines kuscheligen Flauschbällchens.

Eine andere Hilfestellung ist der Blick auf die Taille. Ja, eine Katze sollte genauso wie ein Hund eine erkennbare Taille haben. Die ist zu sehen – sofern sie zu erkennen ist -, wenn man den Blick von oben auf den Flauschball wirft. Bei Luzi hat der Anblick dann relativ viel von einem Mops, dessen Brustkorb viel umfangreicher ist als die schmalen Hüften. Von einer Taille konnte ich damals jedenfalls nicht allzu viel erkennen.

Der kritische Blick einer Freundin

Manchmal helfen auch Freunde weiter. Ich weiß noch, wie wir zu dritt bei Romy saßen. Sie, eine Freundin von ihr und ich. Für die Freundin, die selbst mal mit einem außerordentlich dicken Kater gelebt hatte, war es ihre erste Begegnung mit Luz. Die kam wie ein kleiner Preisboxer, breitbeinig und ausgesprochen gemächlich, ins Zimmer geschritten – und die Freundin fiel in schallendes Gelächter. Klingt ein bisschen gemein von der Freundin. Aber wo sie recht hatte, hatte sie recht: Diese Katze ist zu dick!

Ich weiß, wie schwer es ist, einen klaren Blick auf die Pfunde zu werfen. Bei sich selbst oder bei der Mitbewohnerin, die man täglich sieht. Die Veränderungen vollziehen sich ja selten abrupt. Meist entwickeln sie sich über lange Zeiträume hinweg. Aber wenn dann plötzlich die Freundin lacht, keine Taille zu erkennen oder die Rippen nicht mehr zu ertasten sind… Luzi jedenfalls, das war klar, musste abnehmen.

Futtern ist Luzi liebstes Hobby

Es soll ja angeblich Katzen geben, die man mit Leckerli kaum hinterm Ofen hervorlocken kann. Nicht so Luzi. Bei Luz geht so ziemlich alles durch den Magen. Nassfutter, Trockenfutter, Leckerli – Luz liebt vielleicht nicht jedes Futter. Den Akt des Futterns hingegen liebt sie sehr. Man könnte auch sagen, dass Futtern ihr liebstes Hobby ist. Sie ist also nicht zu dick geworden, weil sie so viel Fell oder schwere Knochen hat. Meine Katze ist zu dick geworden, weil das Angebot eine ganze Zeit lang ihren Bedarf überschritten hat.

Nun ist es bei einer Wohnungskatze, die in dem arg überschaubaren Revier nicht herumtobt und auch keine Jagdspiele mag, echt schwer, ihren Energiebedarf zu erhöhen. Bleibt also nur, die Energiezufuhr zu senken. Das wiederum ist nicht so leicht. Hungern ist jedenfalls keine Option.

Luzi, wie sie aus dem Tierheim kam. Ein Schatten ihrer selbst! foto: Romy
Luzi, wie sie aus dem Tierheim kam. Ein Schatten ihrer selbst! foto: Romy

Wie viel Futter braucht eine Katze am Tag?

Auf die Frage, wie viel Futter eine Katze am Tag braucht, wusste ich sehr lange keine Antwort. Also habe ich mich erst einmal daran gehalten, auf jeden Fall etwas weniger zu geben, als sie bisher bekommen hatte. Sprich: Sie erhielt von mir morgens und abends ein Schälchen Nassfutter. Tagsüber gab es zudem etwas Trockenfutter, das sie sich erarbeiten musste. Mit Clickern oder später auch mit Fummeln.

Für mich erschien das eine angemessene Menge zu sein. Außerdem war es mir nicht so wichtig, wie schnell sie damit abnehmen würde. Mir war nur wichtig, dass sie überhaupt abnimmt. Wobei ich das in den ersten Wochen und Monaten mangels passender Waage noch nicht mal kontrollieren konnte. Das Augenmaß und das Suchen nach Rippen mussten reichen.

Nun traten aber recht schnell die ersten Verdauungsprobleme auf. Allzu häufiges Erbrechen, Probleme mit dem Kotabsatz. Es brauchte also tierärztlichen Rat. Dabei ging es natürlich auch um das Thema Gewicht und Abnehmen. Damals riet mir die Tierärztin, Luzi nicht mehr als 180 Gramm Nassfutter zu geben.

Nur 180 Gramm?

An den Gedanken musste sich nicht nur Luzi erst einmal gewöhnen. Bis dahin hatte ich allein durch das Nassfutter ja schon 200 Gramm gegeben. Clickern und Fummeln noch gar nicht inbegriffen!

Allerdings hatte Luz seinerzeit viel von dem Nassfutter stehenlassen. Vielleicht weil sie wusste, dass es später ja noch von ihrem geliebten TroFu geben würde? Weil es einfach nicht so schmackhaft oder ihr irgendwann zu abgestanden war? So ganz genau konnte ich damals jedenfalls gar nicht sagen, wie viel Futter tatsächlich im Bauch meiner Luzi gelandet war, zu viel musste ich regelmäßig wegwerfen.

Später hatte ich dann ein echtes Aha-Erlebnis: Statt einen Fastentag als angemessene Reaktion auf eine Gastritis zu verordnen, hatte ich ihr ein Wochenende lang ein spezielles Gastro-Futter angeboten, von dem ich wusste, dass sie es gar nicht mag. Prompt hat Luz nur so viel zu sich genommen, wie sie meinte zu brauchen. Und das waren so ziemlich genau 50 Gramm am Tag!

Drei Tage in Folge hatte Luz nicht mehr als 50 Gramm pro Tag von diesem Futter gegessen – und überlebt!

50 Gramm am Tag? Sicher nicht!

50 Gramm Nassfutter am Tag ist für eine ausgewachsene Katze natürlich viel zu wenig. Und auf Dauer auf gar keinen Fall angemessen. Aber diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass das Problem nicht nur immer vor dem Rechner, sondern auch meist vor dem Dosenöffner sitzt. Ich bin ja noch nicht mal in der Lage, meiner Katze tatsächlich einen Tag lang gar nichts zu futtern zu geben, um ihrem geschundenen Magen eine Chance zu geben! (Immerhin habe ich für meine Strategie das tierärztliche Go!)

In der Folge haben wir uns jedenfalls langsam an die Menge angeschlichen, die Luz über den gesamten Herbst und Winter täglich bekommen hat. Und das waren zweimal 85 Gramm Nassfutter, das ich mit Kürbis-Püree auf mehr als 200 Gramm gestreckt und ihr in zehn Einzeldosen kredenzt habe. Gefuttert davon hat sie auf jeden Fall immer die Sauce mit dem Kürbis. Vom Fleisch (oder was sich so Fleisch nennt) hat sie oft stehenlassen. Zusätzlich gab es abgewogene 12 Gramm Trockenfutter und circa 4-5 Gramm Leckerli zum Fummeln. Oder für Übungen wie Sitz! auf der neu angeschafften Waage, die fortan der Gewichtskontrolle diente.

Zum Futter Management kam Krankheit hinzu

Luz hat im Laufe eines Jahres circa 14 Prozent ihres einstigen Kampfgewichtes verloren. Allerdings muss ich eingestehen, dass das nur zum Teil mit meinem Futter Management zu tun hatte.

Dass Luz der Appetit im Laufe des Winters immer mehr verloren gegangen war, lag neben den anhaltenden Verdauungs- vor allem auch an ihren Zahnproblemen. Von denen ich gar keine Ahnung hatte, bis meine Tierärztin mich darauf hinwies. Zu diesem Zeitpunkt war Luzis Gewicht überhaupt kein Thema mehr. Sodass dann nach ihrer ersten Zahn-OP nicht so richtig auffiel, wie gut es meiner kleinen Zahnfee wieder schmeckte. Weshalb ich irgendwann doch wieder sagen musste:

Oje, meine Katze ist zu dick!


Mittlerweile weiß ich: Meine Diät war keine Diät. Die Futtermenge, die ich Luzi seinerzeit zukommen ließ, war vielleicht gerade gut zum Gewichtserhalt, nicht aber zum Abnehmen. Tatsächlich muss es so gewesen sein, wie ich es damals schon befürchtet hatte: Gewicht verloren hat sie immer nur an den schlimmen Tagen, wenn ihre Magenschleimhaut verrückt gespielt und ich mit meiner Gastro-Diät reagiert hatte.

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