Katze aus dem Tierheim: Vier Thesen über Luzis Herkunft

Luzi ist eine Katze aus dem Tierheim Köln Dellbrück. Zu mir kam sie allerdings erst über den Umweg Romy. Die hatte seinerzeit zusammen mit ihrem Lebensgefährten einen neuen Kumpel für Joschi gesucht und war Luzis schüchternen Reizen erlegen. Für mich bedeutet dies, dass mit Luz weit mehr Informationen über sie eingezogen sind, als dies der Fall gewesen wäre, hätte ich mich seinerzeit im Tierheim in Luz verliebt.

Katze aus dem Tierheim: wenig Infos

Luzie (damals noch mit überflüssigem e am Ende) würde sich vielleicht nie anfassen lassen und könnte von einem Katerkumpel profitieren. So hieß es damals. Außerdem war noch bekannt, dass sie mit der Feuerwehr ins Tierheim gekommen war. Aus einem Haushalt, in dem ihr Mensch verstorben war. Romys großes Herz war sofort tief berührt.

Zwei Jahre hat Luzie (immer noch mit überflüssigem e) bei Romy gelebt. Jedoch konnte sie sich nie mit dem Umstand anfreunden, dass es dort zwei männliche Mitbewohner gab. Weshalb die Wohnung meiner Freunde über die ganzen zwei Jahre hinweg durch eine Gittertür in zwei Reviere aufgeteilt sein musste. Diese allerdings konnte nur Joschi fernhalten. Der menschliche männliche Mitbewohner hingegen kümmerte sich dennoch um sie. Bereitete ihr Futter zu. Buhlte um ihre Gunst. Alles vergebens. Daran, dass Luzie sich nicht bezirzen lassen wollte, konnte auch die konsultierte Katzenpsychologin nichts ändern: Luz mochte ihre männlichen Mitbewohner nicht und ließ sie dies auch deutlich spüren.

Warum nur mag Luzi keine Männer?

Luz ist eine Angstkatze, der alles Fremde noch mehr zuwider ist als jeder anderen, durchschnittlich mutigen Samtpfote. Das bedeutet für jeden Menschen, der auf sie trifft, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, von ihr wie die Pest behandelt zu werden. Bei Frauen allerdings besteht durchaus eine Chance, mit Leckerli das Katzenherz zu gewinnen. Manchmal geht das sogar sehr schnell. Ich habe eine Freundin, der hat Luz schon bei ihrem ersten Kennenlernen aus der Hand gefuttert. Bei mir hat das damals ewig gedauert! Und auch bei der Tochter dieser Freundin hat Luz überhaupt keine Scheu gezeigt. Was haben die beiden bloß, was andere nicht haben?

Männer hingegen müssen bei uns sehr stark sein. Aber ich bin doch ein netter Kerl!, hat mein bester Freund mit hängenden Schultern gesagt, nachdem Luzi so getan hat, als ginge von ihm große Gefahr aus. Sag ich: Frag mal Romys Freund! Ein einziger Mann hat es bislang geschafft, Luzis Interesse zu wecken. Und der weiß gar nicht, wie ihm geschieht, wenn sie ihm schöne Augen macht. Oder mit einem kecken Miau dicht an ihm vorbeischwänzelt. Liegt die kätzische Sympathie daran, dass er Katzen bestenfalls kurios findet?

Katze Luzi sitzt am Rechner
Luz schreibt noch an ihrer Autobiographie

Als Katze aus dem Tierheim bringt Luzi kaum Vorgeschichte mit. Einzig die Info, dass sie mit der Feuerwehr kam, lässt eine Ereignisreihe erahnen, die für Luz wahrscheinlich traumatisch war. Erst stirbt ihr Bezugsmensch, dann wird sie von Feuerwehrmännern eingefangen und landet schließlich im Tierheim. Ist das der einzige Grund für ihre Abneigung Männern gegenüber?

Wahrscheinlich reicht das allein als Erklärung nicht aus. Wahrscheinlich gibt es da noch mehr. Nur lässt sich das nicht mehr rekonstruieren. So auch nicht, wie Luzi wohl als kleines Kätzchen war.

Vier Thesen, wie Luzi wohl als kleines Kätzchen war

Also sucht meine Phantasie immer wieder nach Hinweisen auf Luzis mögliche Vergangenheit. Dabei schlägt sie (die Phantasie, nicht Luz) manchmal Kapriolen. Es folgen die vier wichtigsten Thesen:

These 1: Luzis Mutter war eine Schneeleopardin

Okay, ich gebe zu, auf den ersten Blick wirkt diese These mehr als unwahrscheinlich. Aber dann geschah folgende Szene: Im TV lief eine Tierdoku über Raubkatzen. Die ganze Zeit hatte Luz die Geschehnisse ignoriert. Dann plötzlich sprang sie auf, lief auf den Fernseher zu und starrte gebannt auf die Mattscheibe.

Zu sehen war ein Schneeleopard, der aus dem linken Bildhintergrund auf uns zukam. Im Bildvordergrund angekommen, bog er ab, um schließlich rechts aus dem Bild zu verschwinden. Und was macht Luz? Läuft aufgeregt zu der Stelle, wo sie vermutet, dass er aus dem Fernseher in unser Wohnzimmer kommen müsste. Erwartungsvoll saß sie dort und schaute nach oben. Wo bleibt er nur?, schien sie zu fragen.

Kein anderes Tier hat sie jemals so interessiert wie dieser Schneeleopard. Wenn da keine Verwandtschaft besteht, dann weiß ich auch nicht…

These 2: Luz stammt aus Nordschweden

Es begab sich, dass ich ein Buch geschenkt bekam, Die geheime Sprache der Katzen. In dem erwähnt die schwedische Autorin, dass es im Nordschwedischen einen zustimmenden Laut gibt, der beim Einatmen entsteht. Vergleichbar in gewisser Weise damit, dass Katzen auch beim Einatmen einen bedeutungstragenden Laut erzeugen, nämlich beim Schnurren. Ich wollte direkt wissen, ob ich das kann, und probierte aus, beim Einatmen Ja zu sagen. Sofort reagierte Luzi mit großem Interesse, kam direkt angelaufen und wollte gestreichelt werden. Was mich davon überzeugt hat, dass sie aus Nordschweden stammen muss.

Okay, das nordschwedische Ja habe ich gewaltig missverstanden. Tatsächlich bedeutet nur das geräuschvolle Einatmen die Zustimmung, wie ich später lernte. Ein Ja-ähnlicher Laut wird dabei gar nicht produziert.

Aber egal! Nordschweden als Herkunft klingt interessanter als Köln Dellbrück. Und passt irgendwie auch viel besser zu den Schneeleoparden. Auch wenn dort (ähnlich wie in Dellbrück) wahrscheinlich noch nie ein Schneeleopard gelebt hat.

These 3: Luzis Vorbesitzerin war Opernsängerin

Es begab sich, dass wir den ESC 2018 sahen. Oder sagen wir: Es begab sich, dass Luz die komplette Ausstrahlung neben mir auf dem Sofa verschlief. Bis auf den Auftritt der estnischen Opernsängerin. Kaum war die zu hören, sprang Luz vom Sofa, lief aufgeregt durchs Wohnzimmer und wedelte dabei mit ihrem Schwanz im Takt der Musik.

Kann es einen deutlicheren Beleg dafür geben, dass Luzi, Tochter einer nordschwedischen Schneeleopardin, ihr früheres Leben im Haushalt einer Opernsängerin verbracht hat?

Ungeklärt bleibt nur, wieso Luzi dann ausgerechnet im Dellbrücker Tierheim gelandet ist.

These 4: Scherz beiseite…

Nicht immer geht meine Phantasie derart kuriose Wege. Meist begnügt sie sich damit, sich Luzi als Kitty vorzustellen.

Kürzlich sah ich mal wieder eine Tierdoku. In der ging es um eine Braunbärin und ihre Kinder. Eins davon saß völlig verzückt vor einem Baumstumpf und pulte nach Insektenlarven. Die Begeisterung war so groß, dass das Bärenkind nicht mitbekam, wie Mutter und Geschwister von dannen zogen.

So muss Luzi, die passionierte Fummlerin, auch schon als kleines Kätzchen gewesen sein, dachte ich. Beharrlich, wenn es darum geht, etwas Leckeres zu erfummeln. Wenn die anderen längst das Interesse verloren haben, sitzt Klein-Luzi noch da und denkt: Aber da ist doch noch was zu essen…

Bei so vielen schönen Geschichten – wer braucht da noch die wahre Biografie der Katze aus dem Tierheim!

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