Katze kennenlernen braucht Zeit

Meine allererste Begegnung mit Luzi war eine sehr kurze. Sie fand anlässlich einer Gartenparty statt, während derer sie sich im Schlafzimmer auf dem Bett verkrochen hatte. Ganz so, wie es ihrer Art entspricht. Dass Luzi keine Partylöwin, sondern sehr schüchtern ist, war mir schon klar. Aber ganz so, wie es meiner Art entspricht, musste ich dann doch mal einen Blick auf das Bett werfen. Den sie sofort mit Verstecken unter dem selbigen quittierte. Teil 1 unseres Kennenlernens dauerte also kaum länger als 10 Sekunden. Aber das war mir schon damals klar: Wer eine Katze kennenlernen möchte, sollte viel Zeit und Geduld mitbringen. Leckerli können auch nicht schaden.

Katze kennenlernen – Teil 2

Wenige Tage später, nahezu der gleiche Ablauf. Luzi im Schlafzimmer auf dem Bett, ich vorsichtig in der Tür, sie schnell unter dem Bett verschwunden. Doch diesmal verschwand ich daraufhin nicht sofort wieder von der Bildfläche. Diesmal standen wir, also Romy, ihr Lebensgefährte und ich, noch eine ganze Weile im Flur herum und unterhielten uns. Dann nahm ich eine Regung aus dem Schlafzimmer wahr und schaute in zwei große grüne Augen. Luzi hatte sich hervorgetraut, hockte am Boden und schaute mich neugierig an. Aber nicht nur das: Sie zwinkerte mir auch zu.

Wenn Katzen zwinkern

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich das noch nicht, aber wenn Katzen zwinkern, ist das eine ziemlich nette Sache. In Luzis Fall bin ich so frei, ihr Zwinkern in ein reichlich menschliches: »Hallo, ich komme in Frieden. Du auch?« zu übersetzen.

Hätte ich das damals schon gewusst, hätte ich angemessen mit einem freundlichen Zurückzwinkern und dem daraufhin sofortigen Wegschauen geantwortet. So aber fand ich ihr Zwinkern derart bezaubernd und kurios, dass ich sie erst einmal eine Runde anstarren musste. Wie unfreundlich von mir!

Merke: Wer eine Katze kennenlernen und sich dabei freundlich verhalten möchte, sollte die Katze niemals anstarren. Starren geht in der Katzenwelt mal gar nicht. Auch unter Katzen gilt Starren als höchst unfreundlich. Manchmal ist Starren auch eine Kampfansage.

Zum Glück hat Luz mir diesen Fauxpas nicht allzu krummgenommen. Immerhin hatte ich ihr ja auch Leckerli mitgebracht, mit denen ich eine Spur auf dem Bett gelegt hatte. Tatsächlich ist sie dann noch an mir vorbeigeschwänzelt und hat mir ihren hübschen Katzenpopo gezeigt. Dass das eine durchaus freundliche Geste ist, wusste ich zu dem Zeitpunkt immerhin schon.

Katze kennenlernen – Teil 3

So richtig kennengelernt haben Luz und ich uns erst bei unserem ersten richtigen Date. Darauf hatte ich bestanden: Wenn Luz zu mir ziehen soll, müssen wir uns vorher erstmal genauer beschnuppert haben.

Also hatten wir einen Nachmittag verabredet, an dem ich mit ihr alleine in ihrem Revier sein sollte. Ein Samstagnachmittag, ich werde es nie vergessen, denn wir haben mangels Alternativen zusammen die Sportschau geschaut.

Ich hatte auch ein Buch dabei und habe ihr daraus vorgelesen. Aber ich glaube, es war tatsächlich während dieser Bundesliga-Zusammenfassung, da Luz sich von mir zum ersten Mal anfassen ließ. Plötzlich war sie aufgesprungen und hatte ihr Flanken zigfach an meinem Rücken gerieben. Und nachdem sie mich so markiert hatte, durfte ich sie auch streicheln.

Vielleicht war zu dem Zeitpunkt das Eis noch nicht wirklich gebrochen, aber einen ersten Sprung hatte es auf jeden Fall bekommen.

Vertrauen aufbauen mit Leckerli

Luz war sich nicht sicher: Traut sie sich, das Leckerli zu nehmen? Vielleicht kommt es ja angeflogen?
Luz war sich nicht sicher: Traut sie sich, das Leckerli zu nehmen? Vielleicht kommt es ja angeflogen?

Nun hatte ich mir vorgenommen, dass sie meine Hände als Quell der Freude kennenlernt. Ich hatte nämlich das dumme Gefühl, dass sie Angst vor Händen hatte. Weil Hände sie schon eingefangen hatten? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass sie in diesen Tagen immer zurückscheute, wenn ich ihr meine Hand zum Beschnuppern hinhielt. Also wollte ich, dass sie lernt: Von diesen Händen wird niemals etwas Fieses ausgehen.

Mein Ziel war, dass sie mir Leckerli aus der Hand nimmt. Oje, was war das für ein innerer Kampf bei ihr. Anfangs bis zu zehn, später fünf, dann irgendwann nur noch zwei Minuten pflegte sie damals auf das Leckerli auf meiner Hand zu starren. Man sah förmlich die Rauchschwaden aus ihrem kleinen Kopf aufsteigen: »Kann ich es wagen? Aber vielleicht fliegt es mir ja auch von selbst ins Maul?«

Es brauchte noch einige Dates, bis sie ihre Schüchternheit in dieser Hinsicht abgelegt hatte, und mir fortan klarmachte, dass hier nichts ohne Leckerli geht. Darauf, dass Luz zu diesem Zeitpunkt aus Gründen ihrer vollschlanken Figur von Romy eigentlich ein Leckerli-Verbot erteilt bekommen hatte, konnten wir keine Rücksicht nehmen.

Dass sich Luz von mir bei unserem Sportschau-Date tatsächlich bereits anfassen ließ, erscheint in diesem Kontext noch viel bemerkenswerter, als ich es damals ohnehin schon empfunden hatte.

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