Wackelbrett für Katzen: Luzi übt sich im Balancieren

Wer hätte gedacht, was ein Balkon nicht alles auslösen kann. Bei Angstkätzchen Luz hatte der für eine Woche dafür gesorgt, dass mal wieder die Psyche zugeschlagen konnte. Plötzlich ging sie nicht mehr (beziehungsweise sehr schlecht) auf den Topf. Übergab sich nachts. Und mochte ihre Rampe nicht mehr! Die aber war ja gerade dafür gut, Luzi auf den Topf zu verhelfen. Also musste was Neues her. Entstanden aus dieser Not heraus ist Luzis Wackelbrett für Katzen.

Luzis Reaktion auf den Balkon

Ein halbes Jahr ist es nun her, da ich Luz zum ersten Mal auf ihre Rampe geführt habe. Seither haben wir fast ausnahmslos jeden Tag trainiert. Und der Effekt war toll: Nicht nur ist Luz bereits nach wenigen Wochen wieder täglich aufs Klo gegangen. Sie hat auch mehr Sicherheit entwickelt, ist nicht mehr von dem Ding abgeschmiert. Das Bewegungstraining mit der Rampe, so dachte ich, wird immer und ewig unseren Nachmittag bestimmen.

Doch dann habe ich begonnen, an ihrem Teil unseres Balkons zu werkeln. Viel gab es da zu tun. Auch mit so fiesen Gerätschaften wie Sägen und Bohrmaschinen. Dabei habe ich sehr wohl wahrgenommen, dass Luzi das irgendwie nicht gefallen hat.

Wie wenig es ihr nicht gefallen hat, hat sie erst einmal nur nachts gezeigt: Sie hat sich übergeben. Also gab es am Folgetag morgens keinen Futterball. Immerhin geht es hier um Trockenfutter, das im Kontext von Erbrechen doch wohl eher kontraproduktiv ist.

Die Rampe habe ich ihr nachmittags dennoch angeboten. Doch Luzi trottete nur arg gemächlich hoch. Das und den Umstand, wenn sie dann so ein TroFu-Bröckchen auch noch direkt ausspuckt, weiß ich bereits einzuschätzen. Handelsüblich bedeutet das, dass es ihrem Bauch nicht gutgeht und sie sich in der Folgenacht übergeben wird.

Nur tat sie das nicht.

Luzi verweigert die Rampe

Am nächsten Morgen gab es dann doch wieder den Futterball, den Luz mit der üblichen Begeisterung bearbeitete. Alles wieder gut? fragte ich mich – bis ich am Nachmittag die Rampe herausholte. Wieder trottete Luz in Zeitlupe rauf und runter. Und wieder spuckte sie nach nur wenigen Wiederholungen ihr geliebtes TroFu direkt aus.

Abends bot ich ihr die Boxmaus an – und Luz konnte kaum genug von ihr und dem darin befindlichen Trockenfutter bekommen.

Das war der Moment, da ich endlich verstanden hatte. Meine Katze spricht mit mir! Und sie sagt mir ganz klar:

»Steck dir deine blöde Rampe sonst wohin! Ich habe keinen Bock mehr darauf!«

frei nach Luzi Bär

Das konnte ich aber natürlich so nicht stehenlassen. Immerhin sehe ich den Zusammenhang zwischen dem Training mit der Rampe und ihrem Stuhlgang. Und ausgerechnet der hatte sich in ihrer Geburtstagswoche ja auch vehement verschlechtert.

Ein Wackelbrett für Katzen aus Rampe und Cavaletti

Gut, entschied ich, dann erst einmal keine Rampe. Und holte am Folgetag mal wieder Luzis Cavaletti hervor. Das sind diese kleinen, mit Watte gefüllten Stangen, die ich mal für sie genäht hatte. Immerhin sorgen die für Bewegung, dachte ich und ließ Luz darüber hüpfen.

Doch dann kam mir bei ihrem chaotischen Hürdenlauf die Idee. Wie wäre es, dachte ich, wenn ich auf diese Cavaletti die kurze Rampe legen würde? Nun muss man wissen, dass ich in der Zwischenzeit auch eine kürzere Version der mit Teppich beklebten Holzlatte gebaut hatte. Um Luzi so mit einem steileren Aufstieg herauszufordern, ohne dass sie höher als bisher hinauf muss.

So eine Holzlatte auf diesen Cavaletti ergibt jedenfalls eine Art Wackelbrett. Auf das man sich auch selbst stellen und die Instabilität ausbalancieren könnte. Aber in unserem Fall ist es ein Wackelbrett für Katzen. (Das ist auch besser so, denn das Holz ist nicht besonders dick und hält bestimmt nicht jedem Gewicht stand…)

Gespannt, ob Luzi sich darauf einlässt, bot ich ihr am nächsten Tag das Ganze an. Und siehe da: Luzi hatte Bock drauf. Offenbar stört es sie gar nicht, dass das Brett auf diesen weichen Wattedingern wirklich ganz schön wackelt. Und auch ins Rollen kommt, wenn sie am Ende abbremst.

Manchmal muss Luz mit mindestens einer Pfote vom Brett runter, weil sie die Bewegung nicht ausgleichen kann. Aber das ist ja völlig okay. Viel bemerkenswerter finde ich, dass sie a) überhaupt drauf- und b) die Übung mit Ehrgeiz angeht. Es ist sie, die sich bemüht, mit allen Pfoten auf dem Wackelbrett zu bleiben. TroFu gibt es auch, wenn ihr das nicht gelingt.

Wenn aus dem Wackelbrett eine Wippe für Katzen wird

Schnell ist dieses Wackelbrett dann auch umgebaut zu einer Wippe für Katzen. Sprich: Nach einigem Hin und Her ziehe ich erst die Stange an einem, dann auch an dem anderen Ende weg. Nun also wackelt das Holzbrett nicht nur bei jedem ihrer Schritte, sondern kippt auch unter ihr weg, wenn sie über die Mitte hinaus geht.

Aber auch das nimmt Luzi gelassen hin. Schließlich gibt es auch hierfür immer ein Leckerli, sobald sie ein Ende erreicht hat. Und als TroFu-Junkie macht man halt so manches mit.


Übrigens hat sich in der Zwischenzeit sowohl Luzis Verhältnis zu ihrem Balkon als auch zum täglichen Stuhlgang erheblich verbessert. Eine Woche lang traute sie sich nur kurz vom Schlafengehen nach draußen. Und im Klo hinterließ sie bestenfalls arg harte Köttel.

Dann kam der Ostermontag und wir begannen den Tag mit einer in A- und B-Note nahezu perfekten Synchronübung. Nach der sie sich dann ein Herz fasste und den Balkon endlich mal bei Sonnenschein in Augenschein nahm.

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