Unterkunft für ukrainische Haustiere gesucht

Wenn wir könnten, wir würden eine Unterkunft für ukrainische Haustiere anbieten. Also vor allem für ukrainische Katzen. Oder wenigstens für eine Katze. Nur würde Luzi da nicht mitspielen. Und auch unsere Räumlichkeiten geben es nicht her. Ich halte es aber für eine gute Idee, einem großen Problem zu begegnen.

Ukrainische Flüchtlinge bringen ihre Haustiere mit

Als Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine am 24. Februar begann und in der Folge klar wurde, dass nun sehr viele Menschen ihr Land verlassen müssen, habe ich mich gefragt, was aus den Tieren werden soll. Würden die Menschen zumindest ihre kleineren Haustiere mitnehmen?

Schnell habe ich Luzi versichert, dass ich sie niemals alleine zurücklassen würde. Ich hatte ja schon mal erzählt von meinen Überlegungen, was ich mit ihr bei einem popeligen Bombenfund-Alarm machen würde. Oder nicht so recht wüsste, was ich da machen könnte. Weil Luz nun mal nicht eben so in eine Transportbox klettert.

Mittlerweile habe ich eine Antwort auf meine Frage. Ja, viele Ukrainerinnen haben an ihre Haustiere gedacht. Wer nur irgendwie konnte, hat Hund, Katze oder Ratte mitgebracht. Im Kontext einer Berichterstattung war auch mal die Rede von einem Papagei, der durch ein Zugabteil geflattert sein soll. Denn ja, natürlich, auch ukrainische Haustiere sind Familienmitglieder. Die lässt man nicht im Stich.

Gedanklich war ich also auch schon dabei, meinen Rucksack zu packen. Was würde ich mitnehmen wollen, müsste ich plötzlich mein Zuhause verlassen? Doch dann musste ich mir die Frage neu stellen: Was könnte ich überhaupt noch mitnehmen, wenn ich bereits die Luz in ihrer Box tragen muss? Sicherlich nicht mehr viel. Aber das wäre dann auch egal.

Genau das haben sich offenbar auch viele Ukrainerinnen gedacht. Materiellen Besitz kann man irgendwann auch wieder ersetzen. Leben aber nicht. Also haben sie neben ihren Kindern auch ihre Haustiere eingepackt und sich auf den tagelangen, beschwerlichen und oft auch gefährlichen Weg in den Westen gemacht.

Und nun kommen sie hier an und müssen feststellen: Haustiere sind in den Flüchtlingsunterkünften nicht gestattet.

Haustiere sind in Flüchtlingsunterkünften nicht gestattet

Als ich das hörte, bekam ich direkt Schnappatmung. Die Vorstellung, ich hätte mit der Luz eine lange, beschwerliche Flucht hinter mir – und erfahre plötzlich, dass sie nicht bei mir bleiben darf… Ich weiß nicht, ob ich das ertragen könnte.

Ich weiß aber auch nicht, was Luz ertragen könnte. Worüber reden wir hier eigentlich, habe ich mich daraufhin gefragt. Welche Art von Unterkunft kann eine Stadt wie Köln den Familien mit ihren Haustieren überhaupt bieten?

Auf der Website der Stadt Köln finden sich die Formen der Unterbringung für Flüchtlinge. Und auf den ersten Blick liest sich das doch gar nicht so schlecht. Zumindest bei vier von sieben Formen ist die Rede von Wohneinheiten. Also abgeschlossenen Räumlichkeiten mit mindestens mal einem kleinen Bad und wohl auch einer Kochmöglichkeit.

In einer solchen Unterkunft sollte es ja wohl kein Problem sein, auch ein Haustier unterzubringen. Und wenn ich es recht verstehe, haben sich die Bundesländer auf eine entsprechende Regelung geeinigt. Wer eine Unterkunft hat, kann dort mit dem Haustier leben. Das geht zumindest aus einer dpa-Meldung hervor, nachzulesen zum Beispiel beim Westfalen-Blatt.

Leider bedeutet dieses Zugeständnis, dass das nicht für Sammelunterkünfte gilt. Und Sammelunterkünfte sind es leider, mit denen wir es in Köln aktuell offenbar hauptsächlich zu tun haben.

Unterkunft für ukrainische Menschen, nicht ihre Haustiere

Von 1.500 Unterkünften, die der Stadt 2022 zur Verfügung standen, war ursprünglich die Rede. Die allermeisten davon waren keine Wohneinheiten, sondern Schlafplätze. Und die sind mittlerweile längst vergeben. Zumal ja nicht nur ukrainische Geflüchtete hier leben.

Hinzukamen dann rund 1.100 Plätze in einer der Messehallen. Auch die sind bereits vergeben. Und nun ist die Rede von einer Zeltstadt am Südstadion mit Schlafplätzen für knapp 600 ukrainische Menschen.

All diesen Schlafplätzen ist eines zu eigen: Sie sind gemacht und gedacht als vorübergehende Unterkunft für ukrainische Menschen, nicht aber ihre Haustiere.

Denn man stelle sich vor: Eine Halle mit hunderten (Stock)-Betten, die mit dünnen Raumteilern von den nächsten (Stock)-Betten abgetrennt sind. Privatsphäre Fehlanzeige.

Wo sollen da die Hunde, Katzen, Mäuse bleiben? Eingesperrt in ihren Transportboxen? Und was ist mit Menschen, die allergisch auf Tierhaare reagieren? Die Angst vor Tieren haben?

Unterkunft für ukrainische Haustiere – Tasso e.V. hilft

Andere Lösungen müssen her. Doch welcher Art könnten die sein?

Da die Haustiere ja irgendwo unterbracht werden müssen, sind die Tierheime der erste Ansprechpartner. Das wirft aber sowohl bei den betroffenen Familien als auch bei den Tierheimen große Fragen auf.

Für die Ukrainerinnen ist mit dem Begriff Tierheim offenbar nichts Gutes verbunden. Die Vorstellung, dass ihr Hund oder ihre Katze nun in einem solchen Heim landen sollen, sorgt bei den meisten für Entsetzen.

Auf der anderen Seite sind die Tierheime ohnehin schon voll. Die sind sicherlich nicht scharf darauf, nun auch noch Pension für geliebte Haustiere sein zu sollen, die unter anderen Umständen niemals bei ihnen landen würden.

Also braucht es für diese ukrainischen Familien eine Unterkunft, die auch ihre Haustiere aufnimmt. Aus den Rippen schneiden kann sich eine Stadt wie Köln, in der Wohnraum ohnehin knapp ist, das aber auch nicht.

Deshalb suchen nun auch Tierschützer solchen Wohnraum. Denn das Beste, was den Betroffenen passieren kann, ist sicherlich, eine Wohnung zu finden, in der sie mit ihrem Hund oder ihrer Katze sein dürfen.

Wenn das aber nicht geht, hilft auch schon die private Unterbringung zumindest der Tiere. Mit der Option, dass dies auch tägliche Besuche ihrer Menschen bedeuten kann. Bis ihre Menschen das passende neue Zuhause gefunden haben und sie ihre Lieblinge wieder zu sich holen können.

Tasso hat dafür nun ein Portal eröffnet, auf dem Menschen Unterkunft für ukrainische Menschen und/oder ihre Haustiere anbieten können:

TASSO.help: Unterkünfte für Mensch und Tier

Hand aufs Herz, Luzi …

Einmal mehr schaue ich also Luzi tief in die Augen. Grundsätzlich finde ich die Idee nämlich richtig gut. Nicht nur, weil man damit Menschen und ihren Tieren in Not helfen kann. Sondern auch, weil man für sich selbst etwas tun kann. Etwas, das diesem schrecklichen Gefühl der Ohnmacht entgegenwirkt.

Wenn sonst schon nichts geht, dann doch wenigstens einer Katze (oder einem Hund, einem Papagei oder einer Ratte) einen warmen Schlafplatz schenken. Und ihren Menschen einen Sozialkontakt, der dann auch Ansprechpartner/in ist für viele Fragen, die auf sie nun einstürmen.

Bei uns wird das aber leider nicht funktionieren. Dabei will ich es nicht allein auf Luz schieben. Dass wir diesen Schlafplatz nicht bieten können, liegt nicht allein an ihr. Meine Räumlichkeiten bieten einfach nicht die Möglichkeit, aus Luzis sehr kleinem Revier derer zwei oder gar mehr zu machen. Und letztlich bin ich nicht bereit, uns der Situation auszusetzen, die mein jahrelanges Bemühen um Vertrauen und mehr Selbstbewusstsein meiner Angstkatze zunichtemachen könnte.

Mal einen Testballon zu starten, halte ich auch nicht für sinnvoll. Immerhin reden wir hier von Menschen und ihren Haustieren, die wahrlich schon genug mitgemacht haben. Was es jetzt braucht, ist Stabilität.

Wenn ich also hiermit an alle Leser/innen appelliere, über die Möglichkeit nachzudenken, ukrainischen Menschen und/oder ihren Haustieren eine Unterkunft zu bieten, dann sollte klar sein, dass das wahrscheinlich nicht für wenige Tage oder nur ein paar Wochen sein wird.

Seuchenschutz bedenken!

Nebenbei hat alles auch noch mit Seuchenschutz zu tun. Hier geht es vor allem um Tollwut. Normalerweise braucht es vor der Einreise mit Hund oder Katze ein Antragsverfahren. Das wurde nun schon erleichtert – siehe Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Wer jetzt ein ukrainisches Haustier (mit oder ohne seine Menschen) bei sich aufnimmt, sollte also auch für den zeitnahen Kontakt mit dem zuständigen Veterinäramt sorgen – sofern nicht schon geschehen.

Auch hier stoßen wir wieder an unsere Grenzen. Aus Gründen ihrer großen Angst vor dem Tierarzt habe ich in Absprache mit unserer Tierärztin entschieden, Luz noch nicht mal gegen die üblichen Krankheiten impfen zu lassen. Für eine reine Wohnungskatze, die keinen Kontakt zu anderen Tieren hat, mag das funktionieren. Aber eben nicht, wenn nun eine fellige Freundin einziehen würde. Eine Freundin, die Luz wahrscheinlich noch nicht mal als solche erkennen würde.

Nebenbei: Wie heißt Katze eigentlich auf Ukrainisch?

Sträflich hatte ich bei meiner kleinen Übersetzungshilfe zuletzt das Ukrainische vergessen. Das sei hier nun nachgeholt. Und das nicht nur für die Katze:

Katzekit / kot
Katerkot cholovichoyi stati (Katze männlichen Geschlechts)
Hundsobaka
Hündinsuka
Ratteshchur
Vogelptakh
Papageipapuha
Kaninchenkrolyky

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