Nun ist auch der letzte der Mohikaner für immer gegangen. Ich spreche von Kater Joschi, der sie wirklich alle überlebt hat, die einst mit ihm gelebt hatten. Erst war es sein Buddy Porky, der viel zu früh starb. Dann ging Cobi und zuletzt war es die Luzi. Selbst sein Bruder ist lange vor Joschi gestorben.
Irgendwie schien es, als wolle Joschi die Rekorde kätzischer Langlebigkeit brechen. Aber das mit dem ewigen Leben war es dann doch nicht. Zumal Joschi schon lange nicht mehr so drall und gesund war wie damals, als er und ich uns kennenlernten.
Kennenlernen im Sommer 2014 zur Fußball-WM


Dass Joschi und ich uns ausgerechnet anlässlich der Fußball-WM kennengelernt hatten und dass dabei auch noch ein Stofftierhase namens Cosy Mummy eine gewisse Rolle gespielt hatte, ist schon eine absurde Geschichte. Denn von allen Beteiligten war wahrscheinlich ich die Einzige mit zumindest einem gewissen Interesse an dem Fußballspiel, das wir zusammen geschaut hatten. Und Cosy war damals nur dabei, weil sie sich anschickte, Karriere als Maskottchen zu machen (und damit grandios scheiterte).
Von dem Nachmittag ist mir aber nicht das Fußballspiel in Erinnerung. Vielmehr weiß ich noch, dass Joschi sich durch eine Bäckerei-Tüte gebissen hatte, um an die Reste von unserem Kuchen heranzukommen. Ich erinnere mich daran, dass ich gerade auf dem Balkon stand, als Romys Stimme durch die Wohnung schallte: »Jooooooschiiiiii!!!!!!!!« Als ich den Gescholtenen dann neben ihr in der Küche antraf, sagte sein Blick auf diese typische Katzenart nur: »War was?«
Leben mit Porky und der Luzi
Damals lebte auch noch Kater Porky. Joschi und er liebten sich sehr. Sie hatten die gleichen Hobbies (Toben, Essen) und kuschelten gerne und viel miteinander. Die beiden Jungs waren schon wirklich ein tolles Team.
Aber das Leben kann sehr grausam sein. Keine zwei Jahre später war Porky an Krebs verstorben. Und Luzi, die damals zu Joschi zog, konnte Porky einfach nicht ersetzen. Ganz im Gegenteil: Luz hatte immer nur Angst vor Joschi. Es folgten zwei Jahre, in denen wahrscheinlich keine/r der Beteiligten auch nur ansatzweise glücklich war.
Zwei getrennte Reviere in einer Wohnung wegen zweier Katzen, die sich nicht mögen – das braucht wirklich niemand. Irgendwann war klar, so geht das nicht weiter. Luzi zog also zu mir. Aber alleine bleiben, das konnte Joschi in der Folge auch nicht.
Dann kam Kater Cobi
An Luzis Stelle kam 2018 Kater Cobi als neuer Lebensgefährte für Joschi. Und das hat in der Folge auch ziemlich gut geklappt. Zwar konnte auch Cobi den Porky nicht ersetzen. Aber immerhin kamen die beiden Katerkerle so gut miteinander zurecht, dass es nicht länger eine vernetzte Tür in der Wohnung brauchte.
Und in einer Hinsicht waren Joschi und Cobi sich immer einig: Wenn es ums Essen ging, zeigten sie sich immer von ihrer besten Seite.
Nie werde ich die Szene vergessen, als Romy mich aufforderte, in ihrer Speisekammer nach Futter zu schauen, das ich für Luzi mitnehmen könnte. Dazu musste ich nur aufstehen und einen Schritt machen, hatte ich nämlich direkt vor der offenen Speisekammer gesessen. Ich stand also auf, machte diesen einen Schritt, schaute in die Kammer, schaute wieder in die Küche – und schwupps! hatte ich zwei Kater vor mir sitzen. Woher auch immer die gekommen waren (sie waren zuvor nicht in der Küche gewesen) und wie auch immer sie das gemacht hatten (ich tippe auf Beamen). So oder so zeigten sie ihr freundlichstes Katerlächeln in freudiger Erwartung einer leckeren Zwischenmahlzeit.

Ja, Joschi und Cobi waren keine Kostverächter. Und das, obwohl sie beide ihre gesundheitlichen Probleme hatten. Cobi genoss damals seine Zeit zwischen der schweren Krankheit, mit der er einst ins Tierheim gekommen war, und der Nierenerkrankung, die dann später sein Leben sehr geprägt hat. Und Joschi hatte gelernt, sich mit seiner Futtermittelallergie zu arrangieren.
Methusalem Joschi
Wie oft haben wir darüber gesprochen, über dieses Wunder, dass Joschi jahrelang klaglos – ja, sogar mit einer gewissen Begeisterung – hydrolisiertes Katzenfutter verspeist hat. Luzi hätte man damit wahrscheinlich jagen können. Aber Joschi kam mit dem immer Gleichen zurecht.
Erst zuletzt, da schien es ihm immer öfter nicht mehr zu munden. Vielleicht lag es aber gar nicht am Futter, sondern am Napf. Als Romy ihm das Zeug auf einem Teller kredenzte, ging es plötzlich wieder rein. Die Vermutung lag nahe, dass seine Schnurrhaare immer empfindlicher geworden waren und er die Berührung des Napfrandes nicht länger ertrug.

Das hohe Alter forderte zuletzt aber noch so manch anderen Tribut. Legendär war zum Beispiel Joschis ultimative Begeisterung für den Balkon und das Brutzeln in der Sonne. Das mochte er nun gar nicht mehr. Immer öfter blieb es lieber drinnen, obwohl sein letzter Frühling ein durchaus sonniger war.
Was der kleine Methusalem aber bis zuletzt mochte, war in den Armen seiner Menschen zu liegen. Und so werden die ihn für immer in Erinnerung behalten.
Was der Joschi immer mochte
Zu den Erinnerungen zählen natürlich auch die Nächte, in denen er bei Romys Freund auf dem Kopf gelegen oder Halskrause gespielt hat. Beides sicherlich Positionen, die man mögen muss, um sie genießen zu können.
Auch um Joschis Begeisterung für menschliche Nasen ranken sich Erzählungen. Ich selbst bekam von ihm zur Begrüßung immer nur nette Stupser. Anderen Menschen hatte Joschi aber auch schon mal liebevoll in die Nase gebissen.
Definitiv liebte Joschi die Höhe. Und Kartons. Oben in dem Karton auf einem hohen Regal, das war entsprechend einer seiner absoluten Lieblingsplätze. Und lange hatten seine Menschen sich den Kopf zerbrochen, wie zum Teufel er nur auf das Regal kommen konnte. Bis sie ihn eines Tages bei seinem akrobatischen Aufstieg ertappten.
Mit dieser Akrobatik war es vorbei, als er nach einem akuten Nierenversagen aus der Klinik wieder nach Hause kam und plötzlich seine Hinterläufe nicht mehr bewegen konnte. Direkt einschläfern wollten die Ärzte ihn damals. Aber dank guter Osteopathie und Physiotherapie konnte sich Joschi schon wenige Tage später wieder bewegen. Und im Zweifel auch wieder mit dem Bällchen spielen, was er auch immer sehr geliebt hat.
Joschi, der ein Jahr jünger war als Luzi, ist am 02. Mai 2026 im Alter von 19 Jahren verstorben.
Ruhe in Frieden, kleiner Joschi. Du fehlst sehr.
Foto-Galerie
Hier noch einmal alle Fotos von Joschi, die ich hier auf dem Blog verwendet habe.

























Alle Fotos: Romy

