Physiotherapie für Katzen: neue Übungen für die Luzi

»Ach Luzi, du bist so niedlich. Dich hätte ich gerne mal angefasst«, sagte die Tierphysio beim Abschied. Dafür schenkte ihr die Luz doch glatt ein Zwinkern. Viel mehr war aber nicht drin. Und das war auch nicht zu erwarten gewesen, ich kenne doch meine Luz. Dennoch habe ich es mit Physiotherapie probiert, auch wenn Katzen als solche – und meine Angstkatze im Speziellen – nicht die willigsten Patientinnen sind. Zumindest habe ich nun ein Set neuer Übungen und weiß, dass ich bislang nicht alles falsch gemacht habe.

Physiotherapie für Katzen mit Arthrose

Nun, da sich die Anzeichen verdichtet haben, dass Luzi eine Katze mit Arthrose ist, will ich nichts unversucht lassen. Bislang bestand die Therapie allein aus Schmerzmittel und dem Grünlippmuschel-Gedöns. Dabei gilt doch gerade Bewegung als das probate Mittel, die Lebensqualität aufrechtzuerhalten.

Bewegungstraining mache ich mit Luz nun zwar schon seit fast einem Jahr. Allein war ich mir nicht sicher, ob ich dabei alles richtig gemacht habe. Oder schlimmer: ob ich dabei nicht sogar alles falsch und somit noch schlimmer gemacht habe. Immerhin bin ich keine Physio!

Also habe ich mich dazu entschieden, mir kompetente Hilfe ins Haus zu holen. Und weil mir unsere Tierärztin, die zuletzt hier zum Hausbesuch war, keine Tierphysiotherapeutin nennen konnte oder wollte, habe ich das Internet befragt.

Das Suchergebnis ergab überraschend viele Treffer. Wenngleich man damit in einer Großstadt sicherlich rechnen konnte, war ich trotzdem erstaunt. Und weil für uns einmal mehr der Hausbesuch wesentlich ist, war ich umso erfreuter, dass es auch mobile Tierphysiotherapeutinnen gibt.

Schnell entschied ich mich für Die Tierphysios und besprach mit Rebecca Höller bereits am Telefon alles Wesentliche. Allem voran, dass sie bei Luz wahrscheinlich keine Chance haben wird.

Denn mir war klar, dass Luzi von all dem nicht viel bis gar nichts halten wird. Ich ihr aber auch auf gar keinen Fall Gabapentin geben wollte. Schließlich sollte die Physio Luzis normales Gangbild sehen. Und ohnehin hatte die rosarote Brille zuletzt gar nicht gut funktioniert. Viel wichtiger war mir zudem, dass Luz bei klarem Verstand realisiert, dass Physiotherapie auch für Katzen etwas sehr Angenehmes sein kann.

Bereits im Vorgespräch haben wir also all diese Aspekte geklärt und waren uns einig, es auf jeden Fall zu probieren.

Leckerchen ja – Anfassen auf gar keinen Fall!

Nun kam es, wie es kommen musste. Luzi sah die fremde Frau und entschied: No way! Daran konnten auch die mitgebrachten Leckerchen nichts ändern. Zwischenzeitlich hat Luz die sogar aus der fremden Hand genommen, hat dann aber ganz schnell und tiefergelegt wieder das Weite gesucht.

Dabei hätte die Tierphysio ja gar nichts Schlimmes machen wollen. Ein bissen die Muskulatur erkunden. Und dann vor allem ihr Lasertherapie-Gerät zum Einsatz bringen. Doch Luz fand schon den Koffer unheimlich. Wobei Panik bei der Luz anders aussieht. Zutrauen allerdings auch.

Schnell war klar: Für Lasereinsatz oder passives Bewegungstraining war Luzi nicht zu haben. Und jeder Versuch, sie zu überlisten oder zu bedrängen, würde sowieso nur mit der Luz hinter meinem Klo enden.

Nun kann die arme Tierphysio nichts dafür. Luzi war zuletzt schon höchst irritiert, wenn ich nur mal mit jemandem an der Wohnungstür gesprochen habe. Der Sonntag in der Tierklinik und der tierärztliche Hausbesuch haben halt Narben auf ihrer kleinen Seele hinterlassen. Und die wollen erst einmal abheilen, bevor sie wieder jemanden in ihrer Nähe akzeptiert.

Physiotherapie für Katzen: aktives Bewegungstraining …

Nun bedeutet Physiotherapie – für Katzen wie für Menschen – ja nicht nur, dass mit einem etwas geschieht. Dass die Physio, dem ein oder anderen Therapieansatz folgend, ihre Patientin irgendwie bewegt oder zumindest anfasst. Es gehört auch das aktive Bewegungstraining dazu.

Wenn Luzi ihre Hüft- oder Kniegelenke also nicht mobilisieren lässt, muss sie das selbst übernehmen, erklärte mir Frau Höller. Dafür hat sie mir gezeigt, was ich mit Luz machen soll. Und deshalb trainieren wir nun Luzis Steherqualitäten.

… Luzi beweist Steherqualitäten

Stehen soll die Luz. Und zwar vor allem auf den Füßen. Das heißt, natürlich nicht nur auf den Füßen. Die beiden Pfötchen vorne sollen auf einer niedrigen Kiste stehen, sodass das Gewicht im Wesentlichen hinten liegt.

Zwei Minuten am Stück soll sie das machen, sich dabei möglichst strecken. Zuerst dachte ich, wie soll ich das nur schaffen? Aber eigentlich ist nichts leichter als das. Solange ich ihr etwas vor die Nase halte, das sie lecker findet und das auch noch in ihrem Mäulchen landet, steht und streckt Luzi sich bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.

Physiotherapie mit Katzen bedeutet auch viel Leckerli - Luzi liebt das
»Haben will! Haben will!« – Luzi liebt ihr Training

Wir werden nun also diese Übung noch ein paarmal machen und dann den Schwierigkeitsgrad erhöhen. Erst eine höhere Box wählen. Und dann statt der starren Box einen Pilatesball nehmen. Für den brauche ich allerdings vorher noch eine Sicherung, damit er nicht wegkullert. Vorgesehen hatte ich dafür einen Styroporring, aber der hatte wohl irgendwann mal das Zeitliche gesegnet. Da brauche ich also erst noch Ersatz.

… Treppen steigen

Außerdem soll Luzi Treppen steigen. Das hatte ich ohnehin vor: Luzi eine kleine Treppe für das Bett bauen. Ins Auge gefasst hatte ich dafür einen IKEA-Hack: Drei kleine Holzkisten, eine vorne und zwei gestapelt dahinter. Umgedreht, also mit dem Boden nach oben, bilden die dann zusammen die ersten beiden Stufen. Die dritte Stufe ist in dem Konzept das Bett.

Nun habe ich mich aber dagegen entschieden und jüngst Holz besorgt, um damit selbst etwas zu bauen. Das folgt dann dem Prinzip, wird aber in sich hoffentlich noch stabiler sein. Eine DIY-Anleitung wird sicherlich folgen.

… Slalom laufen

Nun soll auch das Laufen um kleine Pylone sehr hilfreich sein für die Hüfte, habe ich gelernt. Wie gut, dass ich solche Pylone mal sehr preiswert als Kinderspielzeug erwerben konnte. Genutzt haben wir die bis dato aber noch gar nicht so richtig. Luzi fand es nicht so gut, und ich fand es für mich ein bisschen anstrengend.

Aber nun sehe ich ein: Luzi gefiel es wahrscheinlich deshalb nicht so gut, weil es ihre Hüfte fordert. Und die ist – so zumindest sieht es die Tierphysio – wahrscheinlich schon sehr lange malad. Länger jedenfalls, als ich angenommen hatte.

… Über Cavaletti steigen

Auch Cavaletti haben wir ja bereits – und gerade damit in den letzten Tagen viel trainiert. Wobei die Tierphysio gar nicht glauben konnte, dass Luzi über diese weichen und relativ dicken Stangen gut laufen kann. Kann sie aber.

Mit jedem Tag, den wir damit üben, funktioniert es immer besser. Und ich bin immer wieder begeistert, wie lernfähig sich die an sich oft so unsportlich wirkende Luz dann doch zeigt.

… Wackelbrett und Trampolin

Von meinem sogenannten Trampolin – das ich eigentlich schon entsorgen wollte – war die Tierphysio tatsächlich sehr angetan. Also hatte Luzi doch recht, als sie mir klarmachte, dass ich das Ding nicht wegschmeißen soll. Wir werden es wieder nutzen!

Auch das Wackelbrett fand die Therapeutin gut, konnte sich aber gar nicht vorstellen, dass Luzi damit schon zurechtkommt. Leider konnten wir es ihr nicht zeigen. Luzi hatte sich zu dem Zeitpunkt schon ins Bad zurückgezogen und wäre nie und nimmer zu sportlicher Aktivität bereit gewesen.

Aber das werden wir weiter beziehungsweise wieder machen: Physiotherapie für Katzen mit Trampolin und Wackelbrett.

Physiotherapie für Katzen – unsere erste Erfahrung mit der Tierphysio

Auch wenn Luzi sich – wie erwartet – nicht hat behandeln lassen, habe ich es nicht bereut, die Tierphysio hinzugezogen zu haben.

Denn nicht nur fühle ich mich in so manchem, was ich mit Luz bereits gemacht habe, bestätigt. Ich fühle mich vor allem auch auf gute Weise korrigiert und angereichert mit neuen Ideen.

Außerdem hat unser Gespräch mich darin bestärkt, die Dosierung für Luzis Schmerzmittel zu reduzieren. Das hatte ich bereits versucht, war dann aber einem diffusen Bauchgefühl gefolgt und hatte die Dosierung wieder heraufgesetzt.

Nun hatte auch unsere Tierärztin die Reduzierung empfohlen, mir aber nicht in Aussicht gestellt, Luzi könnte jemals wieder ohne Schmerzmittel leben. Das werde ich jetzt aber mal mit langsamem Ausschleichen probieren. Zurück können wir ja auch auf jeden Fall. Ich muss nur meine Sensoren auf vollen Empfang stellen, um nicht den Moment zu verpassen, wann das Schmerzmittel dann wieder nötig ist.

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