Mit der Katze clickern: auf die Details kommt es an

Als begeisterter Tier-Doku und sonstige Tier-TV-Formate Fan hatte ich schon so oft gesehen, wie Tiere von dieser Form des Trainings profitiert haben. Da war es für mich keine Frage, dass ich auch mit meiner Katze clickern würde. Schon zumal Luz eine ausgesprochene Angstkatze ist. Zudem auch noch verfressen. Zumindest den Einstieg, so dachte ich, würden wir beide doch locker hinbekommen. Haben wir auch. Nur leider nicht so ganz im Sinne des Erfinders…

Was bedeutet Clickertraining?

Beim Clickern geht es um das Beeinflussen von Verhalten. Und dies ohne Meckern oder sonstige Form der Bestrafung. Denn hier geht es ausdrücklich darum, erwünschtes Verhalten zu verstärken. Das wiederum erfordert, dass alles auf freiwilliger Basis stattfindet. Nur dann ist es möglich, dass die Samtpfote als Nebeneffekt unerwünschtes Verhalten nicht mehr oder zumindest nicht mehr so oft zeigt.

Der Clicker setzt dabei mit seinem markanten Knackfrosch Sound punktgenau die Information: Gut gemacht! Im Gegensatz zum gesprochenen »Gut gemacht!« kommt das Geräusch des Knackfrosches im Leben doch eher selten vor. Das ist gut und wichtig so, denn sonst könnte es schnell zu Verwirrungen kommen.

Beim Clickertraining findet nämlich eine eindeutige Verknüpfung zwischen Verhalten, Signal und Konsequenz statt. Dabei sollte das Signal kurz und prägnant sein, sonst versteht die geneigte Katze nicht, was gemeint ist. Schillers Glocke zu rezitieren als Signal wäre also eher ungeeignet, ein kurzer Pfiff hingegen könnte eine Alternative zum Knackfrosch sein. Solange man den Pfiff immer auf die gleiche Weiseproduzieren kann und ihn sonst nie von sich gibt.

Der Click markiert also, dass das gezeigte Verhalten toll war und dass nun dafür auch eine angenehme Konsequenz folgt. Bei verfressenen Gemütern wie meiner Luz bedeutet das ein Leckerli. Weniger hungrige Gesellen freuen sich vielleicht mehr über ein Köpfchenstreicheln.

Die klassische Konditionierung

Wissenschaftlich betrachtet stehen hinter dem Clickern mit einer Katze zwei Konzepte aus der Verhaltensbiologie und der Psychologie: die klassische und die operante Konditionierung.

Klassische Konditionierung, das ist das, was der Pawlow mit dem Hund gezeigt hat. Der russische Physiologe hatte seinen Hund beim Füttern immer mit einem Glockenton beschallt. Bis dem Hund schon das Wasser aus dem Mund lief, nur weil er diesen Glockenton hörte.

Genau damit sollte man starten, wenn man mit einer Katze clickern will: sie auf das Geräusch des Clicks klassisch zu konditionieren. Mit anderen Worten: Das Training startet damit, dass man ein paarmal im Beisein der Katze auf den Clicker drückt und ihr direkt im Anschluss ein Leckerli gibt.

Dazu braucht es keine ganze Leckerli-Tüte. Der Zusammenhang ist schnell verstanden. Und so funktioniert es auch, wenn man wie ich in einen Targetstick mit integriertem Clicker investiert hat. Die Neugier hat Luzi sofort dazu gebracht, das Target mit ihrem Lakritznäschen zu berühren. Click. Leckerli.

Verhalten. Click. Leckerli.

Das eigentliche Clickertraining kann nun starten. Auch hierbei geht es dann um Konditionierung, allerdings nennt die sich operant oder: Lernen am Erfolg. Dahinter steht die Idee, dass ein gewünschtes Verhalten erkennbar mit einem Signal (dem Click) markiert wird, dem ein angenehmer Reiz (das Leckerli) folgt. Das steigert die Wahrscheinlichkeit des Wiederauftretens des Verhaltens. Deshalb spricht man auch von positiver Verstärkung.

Das alles glaubte ich, so weit verstanden zu haben. Weshalb ich kühn genug war, die ersten Schritte ohne weitere Anleitung alleine zu gehen. Und tatsächlich hat das Ganze auch super funktioniert. Click. Leckerli. Click. Leckerli. Dann auch schon Nase an Target. Click. Leckerli. Ein paar Sessions später, die nur wenige Minuten dauerten und auf ein paar Tage verteilt waren, wurde es uns beiden dann auch schon langweilig. Luz wusste jedenfalls ganz schnell, was ansteht, wenn ich mich mit Leckerli-Dose und Clicker auf dem Fußboden niederließ.

Mit Katze clickern: Luzi wartet auf den nächsten Click
Mit Katze clickern: Luzi wartet auf den nächsten Click

Clickern mit Katze: der Targetstick

Nun hatte ich mir wie gesagt einen Targetstick besorgt. Den zu benutzen aber habe ich leider grundlegend falsch verstanden. So entstand ohne großes Nachdenken bald das Spiel, bei dem ich auf dem Boden saß und mit dem Targetstick irgendwo in meinem erreichbaren Umkreis hingedeutet habe. Luz, darauf konditioniert, das Target mit der Nase zu berühren, lief dann also zum Target hin und berührte es. Woraufhin ich clickte und sie zurück zu mir kam, um sich dort ihr Leckerli abzuholen.

Klingt gut, oder? Ich jedenfalls fand das ganz toll. Und hatte den Eindruck, dass es auch Luz super gut gefiel. Also wurde ich immer mutiger und hielt das Target zum Beispiel aufs Bett, wenn wir neben diesem trainierten. Also hüpfte sie aufs Bett. Click. Leckerli.

Nur ist es auf diese Weise nicht ohne Weiteres möglich, sie vom Bett dann woandershin hüpfen zu lassen. Denn ich hatte sie ja darauf konditioniert, nach getaner Arbeit immer erst einmal wieder zu mir zurückzukommen.

Mit Katze clickern: Anleitung hilft ungemein

Spätestens da war ich an dem Punkt angekommen, wo ich alleine nicht mehr weiterwusste. Mir war schon klar, dass es beim Clickern auf kleine Schritte ankommt. Aber wie die aussehen sollen, hätte ich ohne Anleitung nicht sagen können. Also habe ich mir Literatur besorgt. Das Praxisbuch Katzen Clickertraining hat mir dann sehr weitergeholfen und auch die Augen geöffnet.

Statt Luz sich das Target suchen zu lassen, hätte ich ihr beibringen sollen, dem Target zu folgen. Wie groß der Unterschied ist, wurde mir erst klar, als ich versuchte, ihr genau das beizubringen. In der Tat ist mir das nie so recht gelungen. Mein kleines schlaues Luz hat das zwar bis zu einem gewissen Grad mitgemacht, mich letztlich aber immer nach nur wenigen Schritten fragend angeschaut: Wann klickst du denn endlich, ich bin doch schon da!

Nun geht die Welt davon nicht unter. Aber viele Übungen gehen nun mal davon aus, dass diese Grundlage vorhanden ist. Balancieren über einen schmalen Steg. Die Sitz-Übung. Das Hüpfen von A nach B, vielleicht auch noch durch einen Ring. Die koordinierte Arbeit mit Cavaletti. Alles leichter, wenn das Lakritznäschen bereit ist, dem Target zu folgen.

Absolute Genauigkeit vonnöten

Luzi folgt nun also dem Target nicht. Mein Fehler, damit muss ich leben. Heißt aber nicht, dass damit der ganze Spaß schon vorbei sei. Es gibt genug Übungen, die immer noch machbar sind. Eines haben die dann alle gemeinsam: Sie erfordern absolute Genauigkeit. Schließlich geht es hier darum, Anforderungen zu stellen, ohne sie verbal ausdrücken zu können.

Es bringt nichts, sich vor die Katze zu setzen und zu sagen: »Hüpf mir mal über das ausgestreckte Bein!« Kann man machen. Wird nur nicht zu viel führen. Und entspricht auch gar nicht den Vorgaben. Die besagen nämlich, dass man beim Clickern gar nicht reden soll. Und sicherlich auch nicht vor Freude quieken, wie es mir manches Mal passiert ist.

Clickern erfordert von einem selbst sehr viel Einfühlungs- und Vorstellungsvermögen. Was ist mein Ziel? Und wie zerlege ich es in welche kleinen Schritte, von denen ich ausgehe, dass meine Katze sie versteht? Das ist durchaus anspruchsvoll. Wenn es aber klappt, schmeckt der Erfolg umso besser.

Mit Katze clickern macht Spaß

Grundsätzlich macht das Clickern mit einer Katze also total Spaß. Und bei allem, was wir zusammen erlebt haben, bin ich mir sicher, dass ich da auch für Luzi sprechen darf. Wann immer ich dieses Ding in die Hand genommen habe, kam sie fröhlich angelaufen.

Aber leider gab es auch immer wieder die Momente, da sie sich direkt nach dem Training umgedreht und ihren Magen entleert hat. Erst viel später habe ich diesem Phänomen den Namen »raus wie rein« gegeben. Luzis Standardreaktion auf alles, was sie emotional überfordert. Im Guten wie im Bösen. Zudem ihr Ausdruck dafür, wenn ihr etwas nicht passt. Zum Beispiel, dass die Leckerli-Dose schon leer ist. In keinem Fall schön.

Ich habe dann irgendwann den Clicker beiseitegelegt. Das bedeutet aber nicht, dass ich das Training komplett aufgegeben hätte. Die meisten Übungen ließen sich auch ohne Clicker realisieren. Letztlich hat sich aber auch gezeigt, dass Luzi noch lieber fummelt als clickert. Also hat sich der Schwerpunkt in Luzis Revier etwas verschoben.

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