Leben mit FIV Katze: ein Jahr mit Kater Eddie

Ein ganzes Jahr lebt Pflegekater Eddie nun schon bei mir. Genug Zeit also, um mir einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das Leben mit einer FIV Katze so ist. Und was soll ich sagen: So viel anders als die Jahre mit Luzi war dieses eine Jahr mit Eddie nicht.

Ganz im Gegenteil, es gab und gibt durchaus sehr ähnliche Themen. Der sensible Magen vor allem, dessentwegen ich mal wieder öfter Schonkost kochen muss. Oder das Gabapentin, das es für die Transportbox und den Tierarzt braucht. Aber klar, es gab und gibt schon viele Unterschiede. Nur die haben nichts mit FIV, sondern mit der Individualität der beiden Katzen zu tun.

FIV spielt im Wesentlichen eine große Rolle, wenn es darum geht, für Eddie ein Zuhause zu finden. FIV Katzen haben es nämlich noch schwerer als all die vielen anderen, die in Tierheimen oder auf Pflegestellen leben. Dabei ist das Leben mit einer FIV Katze doch genauso schön wie das mit einer nicht infizierten Katze – auch wenn es ein klein bisschen was zu beachten gibt. Davon will ich heute erzählen.

Vorweg: Was bedeutet das eigentlich, FIV?

Zuerst einmal stellt sich die Frage, was FIV eigentlich bedeutet.

FIV steht für Felines Immundefizienz-Virus und ist vergleichbar mit dem Humanen Immundefizienz-Virus, kurz HIV.

  • HIV führt bei Menschen zu AIDS, dem Acquired Immunodeficiency Syndrome, also dem erworbenen Immun­defizienz-Syndrom.
  • Bei Katzen spricht man von Katzen-AIDS.

Beiden Erkrankungen ist es zu eigen, dass sie jahrelang unentdeckt bleiben können. Denn zu beiden Erkrankungen gehört eine lange Phase, die symptomfrei ist. Wie lang diese Phase ist, lässt sich allerdings nicht vorhersagen.

Eine Katze, die mit FIV leben muss, kann durchaus so alt werden wie eine nicht infizierte Katze.

An die symptomfreie Phase schließt sich irgendwann der AIDS-Related Complex (ARC) an. Die Bezeichnung für diese Vorstufe zur Katzen-AIDS-Phase entspricht der, die sich an die symptomfreie Phase der HIV-Infektion anschließt.

In der ARC-Phase kommt es zu immer häufiger auftretenden Sekundärinfektionen. Bei Katzen betreffen diese meist die Maulhöhle (Zahnfleisch, Schleimhaut, Zahnhalteapparat), aber auch den Atmungstrakt und manchmal auch den Verdauungstrakt.

Katzen-AIDS bezeichnet letztlich, vergleichbar mit AIDS beim Menschen, eine Kombination von Symptomen, die zur Zerstörung des Immunsystems führt.

Eine wesentliche Erkenntnis bei allem ist:

Weder kann sich eine Katze mit HIV, noch kann sich ein Mensch (oder ein Hund) mit FIV anstecken.

FIV hat übrigens nichts mit FeLV, dem Felinen Leukämievirus, zu tun. Und anders als gegen FeLV gibt es gegen FIV keinen in Deutschland zugelassenen Impfstoff.

Wie wird FIV übertragen?

Kuscheln und Schmusen mit FIV-Kater Eddie - denn FIV überträgt sich nicht auf Menschen
Hemmungsloses Kuscheln und Knutschen mit FIV-Kater Eddie

Menschen können also hemmungslos mit FIV-Katzen kuscheln, knutschen und schmusen, weil sie sich nicht bei ihnen anstecken können. Auch können sie das Virus nicht mit nach Hause bringen und dort dann die eigene Katze anstecken. Denn das Virus überlebt nicht lange außerhalb seines Wirts.

Aber die Katze, die muss es sich ja irgendwo eingefangen haben.

Die Ansteckung von Katze zu Katze erfolgt meistens im Zusammenhang mit Revierkämpfen. Und da kommen vor allem unkastrierte Kater ins Spiel. Obwohl die im Freigang nichts verloren haben, genauso wenig wie unkastrierte Kätzinnen. Aber wen interessiert schon, dass in Köln Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Freigänger-Katzen gilt.

Gerade unkastrierte Kater suchen sich große Reviere, die sie gegen Kontrahenten verteidigen. Bei diesen Auseinandersetzungen kann es dann immer wieder zu Bissverletzungen kommen – und so auch zur Übertragung.

Bei Bissverletzungen gelangt der Speichel der infizierten Katze in den Blutkreislauf der noch nicht infizierten Katze. So kommt auch das Virus in den gesunden Organismus.

Die Infektion kann aber auch beim Deckakt erfolgen, wenn der infizierte Kater – weil es so schön ist – seiner Katze in den Nacken beißt.

Der einzig bekannte weitere Übertragungsweg kann zwischen einer FIV-positiven Katze und ihren ungeborenen Kitten stattfinden. Dabei ist es aber durchaus möglich, dass die Kitten FIV-negativ zur Welt kommen.

Alle anderen denkbaren Ansteckungswege, die man von Grippeviren oder im Zusammenhang der Corona-Pandemie kennt, sind bei FIV nicht möglich. FIV wird also nicht über die Luft oder per Schmierinfektion übertragen. Und wie schon erwähnt, überlebt das Virus nicht lange außerhalb seines Wirts. Mit anderen Worten können sich friedliche infizierte Katzen mit friedlichen nicht infizierten durchaus Näpfe und Schlafplätze teilen.

Grundsätzlich bedeutet dies, dass FIV-positive Katzen mit FIV-negativen Katzen zusammenleben können – sofern die Tiere miteinander einen netten Umgang pflegen.

Wie bekomme ich überhaupt mit, ob meine Katze FIV-positiv ist?

Ob eine FIV-Infektion vorliegt, lässt sich nur über einen Test feststellen. Und da finden sich direkt mehrere Probleme:

  • Man muss erst einmal erkennen, ob ein Test notwendig ist und
  • verstehen, wann er stattfinden und
  • ob und wann er wiederholt werden sollte und
  • welche Art von Test zu welchem Zeitpunkt sinnvoll ist.
  • Denn: Der Test kann falsche Ergebnisse liefern.

Klar, man kann es natürlich auch wie in der Werbung halten: »Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke«. Aber bei einem Thema wie FIV macht es schon Sinn, sich selbst ein bisschen schlau zu machen.

Tatsächlich ist gar nicht so viel über FIV bekannt, wie man vielleicht meinen könnte. Das mag unter anderem daran liegen, dass FIV (wie HIV) erst in den 1980er Jahren entdeckt wurde. In der Folge zeigte sich dann, dass es (wieder vergleichbar mit HIV) mehrere FIV-Subtypen gibt.

Auch nicht so ganz deutlich ist die Häufigkeit, mit der FIV in Deutschland vertreten ist. Während die Zahlen andernorts weit höher sind (in Japan gar 44 Prozent), ist hierzulande nur die Rede von 2 bis 8 Prozent (Dissertation aus dem Jahr 2010). Das wirft bei mir die Frage auf, ob wir es nicht mit einer weit höheren Dunkelziffer zu tun haben.

Wie viele Menschen leben wohl mit einer FIV-positiven Katze, ohne die geringste Ahnung davon zu haben?

Ist ein FIV-Test notwendig?

Ein FIV-Test kommt eigentlich nur für Katzen in Frage, die ein Leben auf der Straße führen. Sei es, weil sie Freigänger sind. Oder weil sie wie Eddie auf der Straße gelebt haben, also gar kein Zuhause mehr hatten. Für eine Katze, die in reiner Wohnungshaltung lebt, geht die Wahrscheinlichkeit gen Null, sich mit FIV anzustecken.

Junge Kater wie der Eddie, die irgendwo an einer Futterstelle auftauchen, landen irgendwann auch bei dem Tierschutzverein, der die Futterstelle bedient. So geschehen mit Eddie vor ungefähr anderthalb Jahren.

Natürlich wurde Eddie damals direkt auf FIV getestet. Alles Weitere ist dann aber leider nicht mehr so ganz leicht erklärbar.

Denn Eddies erster Test war negativ.

Wann sollte ein FIV-Test stattfinden?

Die einzige sinnvolle Erklärung für das negative Ergebnis von Eddies erstem Test ist, dass er zu früh stattgefunden hat. Zu früh in Hinblick auf den Zeitpunkt der Infektion. Denn so ein Test kann erst verwertbare Ergebnisse liefern, wenn der Organismus der Katze auf das Virus reagiert hat.

Der erste Test, der normalerweise durchgeführt wird, ist ein Schnelltest. Dieser Schnelltest funktioniert meist nach dem ELISA-Prinzip und liefert binnen weniger Minuten ein Ergebnis. ELISA, das bedeutet Enzyme-linked Immunosorbent Assay (ist auf Deutsch auch nicht leichter zu verstehen: enzymgebundener Immunadsorptionstest) und bezeichnet ein antikörperbasiertes Nachweisverfahren.

Antikörperbasiert, das bedeutet, dass die Katze erst einmal Antikörper gebildet haben muss, damit der Test was anzeigen kann.

Alternativ zum ELISA-Test gibt es auch immunchromatographische Schnelltests. Die basieren aber auch auf Antikörpern, wenn auch auf anderen. So oder so braucht es seine Zeit, bis sich die entsprechenden Antikörper gebildet haben.

Ein FIV-Test macht erst 4-6 Wochen nach der Infektion Sinn, weil das Test-Ergebnis sonst falsch-negativ sein kann.

Wann sollte ein FIV-Test wiederholt werden?

Warum bei Eddie der FIV-Test wiederholt wurde, bleibt eines von seinen Geheimnissen. Eigentlich war ja alles gut, niemand zweifelte sein negatives Ergebnis an. Und doch meinte der behandelnde Tierarzt, ihn vor seiner Magen-OP (die Eddie brauchte, weil er Kork gefressen hatte) noch einmal testen zu müssen.

Und dieser Test fiel positiv aus.

Nun hätte man damals hingehen und das Ergebnis direkt anzweifeln können. Zwar sind diese Schnelltests mittlerweile besser als ihr Ruf, weisen sie doch eine hohe Sensitivität und Spezifität auf.

  • Eine hohe Sensitivität bedeutet, dass der Test infizierte Katzen sehr zuverlässig als infiziert („positiv“) erkennt.  
  • Eine hohe Spezifität bedeutet, dass der Test eine gesunde, nicht infizierte Katze zuverlässig als nicht infiziert („negativ“) einstuft.

Dennoch können auch hier falsche Ergebnisse entstehen.

Das falsch-negative Ergebnis hatten wir ja schon. Der zweite Test hätte also auch ein falsch-positives Ergebnis gewesen sein können.

Eigentlich hätte man damals den Test direkt wiederholen sollen. Wobei der Rat lautet, zur Absicherung ein anderes Test-Verfahren zu wählen. Statt eines Schnelltests kommt dann entweder ein PCR oder ein Western Blot Test in Frage.

Als sogenannter Goldstandard gilt der Western Blot.

Bei Eddie hat nun, ein Jahr später, ein solcher Western Blot Test bestätigt, dass er wirklich FIV-positiv ist. Leider.

Wie FIV das Leben einer Katze verändern kann, Teil 1

Eddie musste vor einem Jahr erfahren, wie dramatisch sich das Leben einer Katze verändern kann, wenn plötzlich FIV ins Spiel kommt.

Wäre er damals schon zusammen mit seinem besten Freund Speedy adoptiert gewesen, hätte es keinen Grund gegeben für die ganz großen Veränderungen. Sagen wir, ihr Zuhause wäre eine Wohnung mit Balkon ohne Freigang gewesen. Und dann hätte aus Gründen ein Test stattgefunden mit dem positiven Ergebnis für Eddie und einem negativen für Speedy. Es hätte sich im Leben der beiden erst einmal nichts verändern müssen. Denn Eddie und Speedy waren richtig gute Freunde. Die hatten Spaß miteinander und hätten sich nicht gebissen.

Aber Eddie lebte damals auf einer Pflegestelle nicht nur zusammen mit Speedy, sondern mit einer ganzen Reihe von Katzen. Und von dieser Armada an Katzen mochte der Eddie nur den Speedy. Mit dem Rest hat er sich zwar nicht gekloppt. Aber wirklich sicher, dass da nicht doch mal was eskaliert, konnte sich die Pflegestelle nicht sein.

Also musste Eddie ausziehen. Und kam so zu mir. Aber bevor er zu mir umziehen konnte, musste er in Quarantäne.

Wie FIV das Leben einer Katze verändern kann, Teil 2

Für eine FIV-Katze gibt es keinen Freigang mehr. Und der Balkon muss gut gesichert sein.
Eddies Draußen ist nur ein kleiner Balkon

Dagegen ist Luzis altes Revier natürlich ein großer Herrschaftsbereich. An das Leben bei mir musste sich der junge Kerl, der vor Kurzem noch als Straßenkater gelebt hatte, dennoch erst einmal gewöhnen.

Plötzlich war und ist da nur noch ein Drinnen. Denn das Draußen kann und darf im Leben einer FIV-Katze nur noch eine sehr begrenzte Rolle spielen. Das hat nicht nur mit dem Schutz der anderen vor seinem Virus zu tun. Vor allem geht es darum, dass eine FIV-positive Katze sich selbst vor Infektionen schützen muss. Denn auch wenn man es ihnen nicht anmerkt, ist das Immunsystem einer FIV-Katze doch grundlegend geschwächt.

Im Leben einer FIV-Katze spielen Impfungen (Katzenseuche, Katzenschnupfen) im Allgemeinen keine Rolle mehr, da die immer auch eine kleine Attacke auf das Immunsystem darstellen.

Lebensgefährte für FIV-Kater Eddie gesucht

Auch gibt es in Eddies Leben keinen Speedy mehr. Noch nicht mal irgendeinen Artgenosse. Nur noch ein Mensch, der leidlich Kätzisch spricht.

Immerhin sind da aber wie zuvor auf der alten Pflegestelle nicht unangenehm viele Menschen. Von denen braucht der Eddie, wenn es nach ihm geht, nämlich ohnehin nur einen. Eine, um genau zu sein. Denn auch wenn Ausnahmen sicherlich denkbar sind, steht Eddie definitiv mehr auf Frauen als auf Männer. Vor letzteren hat Eddie eher Angst.

Nach einem Jahr zeigt sich, dass dieses Leben als Einzelkatze nichts für einen jungen Kerl in der Blüte seines Lebens ist. Was Eddie definitiv braucht, ist ein Speedy. Ein FIV-positiver Speedy allerdings. Denn das Risiko, einen FIVI einfach mal in den Haushalt einer nicht-infizierten Katze zu stecken, würden wir natürlich nicht eingehen. Niemand kann garantieren, dass der an sich so friedliche Eddie nicht doch mal zubeißt.

Und so stellt sich hier nun die große Frage:

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