Irgendwie ist der Eddie schon ein Pechvogel. Eigentlich sollte er endlich vermittelt und somit ausgezogen sein. Interessenten gab es für ihn ja durchaus reichlich. Aber auch der letzte Vermittlungsversuch gestaltete sich schwierig und endete mit einer Absage. Ewig so weitermachen wie im vergangenen Jahr konnten wir aber auch nicht. Der Eddie langweilte sich nämlich und zeigte Symptome der Vereinsamung. Die Vergesellschaftung mit Kater Joey aber wollte gar nicht klappen und endete nach einem Wochenende. Also mussten wir es noch einmal probieren mit dem Zusammenführen zweier Katzen. Nur mit welcher Katze sollten wir es versuchen?
Gestatten, ich bin die Thali

Die Datenbank des Katzenschutzbundes scheint unendlich zu sein. Nach meiner Kenntnis gab es eigentlich keine weitere FIV-Katze. Aber dann kam plötzlich die Thali ins Spiel.
Thali, so erfuhr ich, war im Sommer 25 auf einem Parkplatz aufgefallen. Dort lebte sie erst mit zwei, dann nur noch mit einem Kitten. Bald waren beide eingefangen und kamen auf eine Pflegestelle zu zwei erwachsenen Katzen und einem einzelnen Kitten.
Bei der Erstuntersuchung kam heraus, dass die Thali FIV-positiv ist. Eigentlich hätte sie also nicht auf ihrer Pflegestelle bleiben können. Beziehungsweise hätte dort mit ihrer Tochter einen eigenen Raum beziehen müssen. Nur dann hätte ihre Tochter gar keinen Kontakt zu anderen Katzen gehabt. Ganz schlechte Idee.
Die Pflegestelle ließ sich also darauf ein, Thalis vorgetragene Friedfertigkeit für bare Münze zu nehmen. Sie setzte darauf, dass es zu keinen Prügeleien zwischen Thali und den anderen Katzen kommen würde. Und so war es auch. Thali zeigte sich zurückhaltend, schlimmstenfalls fauchend, und war offensichtlich überfordert mit dem Mehr-Katzen-Haushalt.
Nun, da ihre Tochter alt genug ist, eigene Wege zu gehen, stellte sich die Frage, wohin mit der Thali. Da kam unser Anliegen wie gerufen. Nach einem langen Telefonat entschieden Thalis Pflegestelle und ich, es mit dem Zusammenführen der beiden Katzen zu versuchen.
Und was soll ich sagen: Thali kam, sah und siegte.

Zusammenführen der Katzen Thali und Eddie …
… großes Interesse vonseiten Eddies
Wie schon beim Versuch mit Kater Joey lief das Zusammenführen der Katzen auf die schonungslose Weise ab. Aus der Kiste direkt unters Sofa, könnte man sagen.
Wobei es in diesem Fall tatsächlich so war, dass ich nicht mitbekommen hatte, wohin Thali gelaufen war. Gerade hatte ich sie noch gesehen – und schwupp! war sie verschwunden. Also so richtig verschwunden. Wie vom Erdboden verschluckt.
Ich meine, ich kenne meine Wohnung. Ich weiß um die Möglichkeiten, wo man sich als Katze verstecken kann. Aber mir war nicht klar, dass es unter meinem Bett tatsächlich einen schmalen freien Spalt gibt, in den man sich als Katze hineinzwängen kann.
Ganz anders als seinerzeit mit Joey zeigte sich Eddie dieses Mal extrem interessiert. Ihm hatte ich es zu verdanken, Thali überhaupt unterm Bett gefunden zu haben. Und er machte von Anfang an klar, dass dieses Mal nicht er der Ängstliche sein würde.
Erst am folgenden Tag entdeckte Thali das Sofa für sich. Vor dem dann Eddie und ich lagen und lugten und darauf hofften, dass sie sich endlich hervortraut.


Was auch von Anfang an klar war: Thali muss verdammt gut riechen. Wie ein Stalker war der Eddie in den ersten Tagen hinter ihr her. Wollte unbedingt alle wichtigen Informationen einsammeln und konnte nicht verstehen, dass sie das gar nicht so toll fand. Und auch heute noch nicht mag. Ebenso wenig wie er selbst, wenn sie mal an ihm schnuppert. Aber ihre Warnungen sind ihm egal. Dann bekommt er halt eine Kopfnuss von ihr – Hauptsache, er hat mal wieder an ihrem Po geschnüffelt.
… Fauchen, Knurren und Schlagen
Thali hatte sich im Mehr-Katzen-Haushalt viel versteckt und maximal gefaucht, wenn die anderen Katzen von ihr was wollten. Deswegen hatte die Pflegestelle sie ja mit den anderen, FIV-negativen Katzen zusammengelassen. Weil Thali sich so friedfertig gezeigt hatte.
Nun, das hat sich hier geändert. Ja, in den ersten Tagen hat sie nur gefaucht, vielleicht auch mal geknurrt, wenn Eddie ihr zu nahe kam. Und dann war sie direkt wieder unter dem Sofa verschwunden, wo Eddie sie in Ruhe ließ.
Aber binnen einer Woche hat die kleine Maus hier alles erobert, was sich irgendwie erobern lässt. Und dazu hat sie mehr eingesetzt als ihre Stimme. Wenn der Eddie ihr mal wieder zu sehr auf die Pelle rückt. Oder wenn es ihn juckt und er meint, sie jagen zu müssen. Die Thali fackelt dann nicht lange und langt ihm eine. Im Allgemeinen bekommt er dann eine Kopfnuss. Da kennt die Thali nix.
Anfangs hat Eddie nur empört geschaut. Kam vielleicht zu mir, um sich trösten zu lassen. Aber mittlerweile schlägt er zurück. Im wahren und im übertragenen Sinn des Wortes.
Konkret bedeutet dies, dass Eddie in den frühen Morgen- und den späten Abendstunden ein wiederkehrendes Bedürfnis verspürt, der Thali zu zeigen, dass er hier die älteren Rechte hat. Manchmal scheint er sie auch maßregeln zu wollen. Wenn er und ich zum Bespiel schon im Bett sind und sie meint, zu später Stunde noch herumtoben zu müssen. Oft scheint er sie aber einfach nur jagen und ihr dann zeigen zu wollen, dass er viel größer und stärker ist als sie.
Schlimme Prügeleien hat es in dem Kontext noch nicht gegeben. Und nach den kleineren Keilereien lassen sich die beiden schnell mit einem Schlecki oder etwas Futter wieder befrieden. Denn da sind die beiden sich einig: Es kann nicht genug zu essen geben.
Gemeinsamkeiten beim Zusammenführen der Katzen finden
… Begeisterung fürs Futter
Thali, so sagte mir die Pflegestelle, wäre eine ganz schlechte Esserin. Halb verhungert wäre sie gekommen, kein Gramm Fett am Körper. Aber dass sie nun nicht mehr superschlank, sondern eher ziemlich möppelig ist, läge vor allem an der Katzenmilch, von der sie sich fast ausschließlich ernährt habe. Ansonsten bevorzugte sie bekannte Marken im Gegensatz zu der Art von Nassfutter, das Leute wie wir für sinnvoll erachten.
Bevor ich das kaufe, was Katzen vermeintlich kaufen würden, griff ich auf das zurück, womit Luzi lange gelebt hat. Auch nicht so toll, aber damit habe ich offenbar direkt ins Schwarze getroffen. Denn seitdem macht Thali genau das, was Eddie in seinen ersten Wochen hier auch getan hat: Sie gibt den Labrador. So schnell kannst du nicht gucken, wie sie den Napf geleert hat!
»Weg da!!! Hier kommt Thali!!! Und Thali hat HUNGER!!!«
Unglaublich auch immer wieder ihre Vehemenz, mit der sie sich dem Futterplatz nähert. Wer ihr da im Weg steht (vor allem Eddie), wird einfach umgerannt.
Seitdem heißt Thali auch Puschi. Also von to push, weil sie Eddie immer aus dem Weg schubst.
Eddie empört das sehr. Wenn sein eigener Hunger ihn nicht komplett im Griff hat, überlässt er dann meist ihr das Feld und wartet, bis sie fertig ist. Und das hätte ich vorher niemals für möglich gehalten.
… Leckerli
Bei Leckerli ist es schwieriger. All der gute Scheiß, mit dem Eddie sich sein Übergewicht angefuttert hat. Die Thali kennt das Zeug nicht und will es auch gar nicht probieren. Selbst die Knuspertaschen, die sie als Aussteuer mitgebracht hat, mochte sie in den ersten Tagen und Wochen nicht.
Nun aber kann ich die Knuspertaschen nutzen, um Thali endlich anzuklickern. Denn das ist seit Ende letzten Jahres Eddies Liebstes abends um acht: mit mir zu klickern. Bislang hatte Thali uns dabei immer nur zugeschaut. Jetzt aber hält sie selbst ihr Näschen ans Target, weil sie weiß, Klick bedeutet Knuspertasche.
Aktuell versuche ich, den beiden mittels Klickern ihre Namen beizubringen. Bei den Herren Ferdinand und Finnick hatte das seinerzeit geklappt. Zumindest der Finni wusste irgendwann, dass er gemeint war, wenn ich ihn »Finni!« gerufen hatte. Gekommen ist er dann allerdings nicht. Meist sagte er mir mit seinem Blick, dass er Wichtigeres zu tun hatte. Zum Beispiel seinen Bruder zu ärgern.
… Spiel mit selbstgebauter Katzenangel
Vor Katzenangeln habe die Thali leider Angst, hieß es. Vor allem wenn ein Glöckchen dran ist, das fände sie besonders gruselig.
Was soll ich sagen, auch in Sachen Spielzeug ist sie wie Eddie vor einem Jahr. Da hatte ich eine selbstgebaute Katzenangel hervorgekramt, die Eddie meinte, wochenlang jeden Abend für mindestens eine Stunde jagen zu müssen. Und wenn er den Bommel gefangen hatte, dann haute er damit ab, um ihn irgendwo zu verspeisen. Was natürlich nie geschah, das mit dem Verspeisen. Aber er hätte es gerne getan.
Nun ist es Thali, die jeden Abend Spielzeug wie diesen Bommel jagt und nicht genug davon bekommen kann. Eddie schaut die meiste Zeit nur zu. Aber wenn er dann selbst mal ansetzt, das Teil jagen zu wollen, dann schubst Puschi-Thali ihn mal wieder aus dem Weg.
»Weg da!!! Hier kommt Thali!!! Und Thali will JAGEN!!!«
Und wieder steht der Eddie da und schaut empört. Man hat es als Kater wirlich nicht leicht mit so einer Puschi.
Immerhin, mittlerweile schaut Thali auch schon mal nach ihm. Ob er vielleicht Anzeichen zeigt, auch jagen zu wollen. Im Ausnahmefall gestattet sie ihm dann den Vortritt. Aber allzu geduldig schaut sie ihm dabei nicht zu.
… Decken-Surfen über das Parkett
Ein großer Spaß für beide ist das Spielen mit einem Federstab oder einem Stöckchen unter der Decke, die bei uns hier immer am Boden liegt.

Abwechselnd toben sie sich an dieser Decke aus, um den Stab zu ergattern, mit dem ich unter der Decke stochere.
Sie kommen aber auch beide auf die Idee, mit der Decke zu toben, wenn ich nicht dabei bin. Und dann schieben sie die auch aufs glatte Parkett, um so durchs Wohnzimmer surfen zu können.
… Macken: Kork und Pappe
Was dem Eddie sein Kork ist der Thali ihre Pappe.
Bekanntermaßen hatte der Eddie auf seiner vorherigen Pflegestelle Kork gefuttert. Da gab es halt eine Menge Spielzeug aus dem Material. Und aus Gründen, die nur der Eddie kennt, meinte er, den Kork essen zu müssen.
Da Kork aber dummerweise immer oben schwimmt, kam er nie hinten bei Eddie wieder raus. Der Spaß brachte ihm also eine Magen-OP bei – und damit auch die Erkenntnis, dass er FIV-positiv ist.

Pappe ist nun sicherlich auch keine gute Ernährung für Katzen. Vor allem wenn – wie bei Kratzspielzeug aus Pappe – die einzelnen Schichten verklebt sind.
Das hält Thali aber nicht davon ab, an so einer Kratzpappe zu nagen. Viel zu schlucken scheint sie nicht, dafür strotzt das Umfeld zu sehr vor von Speichel durchnässten Pappestückchen. Und letztlich kann ich nur hoffen, dass es für sie wirklich nur der Heidenspaß ist – und nichts mit Zahnschmerzen zu hat.
Unterschiede ausmachen beim Zusammenführen der Katzen
Der größte Unterschied, den ich bislang ausmachen konnte, bezieht sich auf das Verhalten mir gegenüber.
… Schmusekater Eddie
Bereits als Eddie sich damals entschieden hatte, unter dem Sofa hervorzukommen und Kontakt mit mir aufzunehmen, war klar: Der Eddie ist ein Schmusekater. In jener Nacht kam er direkt zu mir ins Bett und schlief dort an mich gekuschelt.
Wenn ich mal länger als eine Stunde oder zwei das Haus verlasse, werde ich von ihm bei der Rückkehr ausführlich begrüßt. Dann müssen wir unsere Gesichter aneinander reiben, uns Nasenstüber geben. Auch muss ich ihn durchkuscheln und knuddeln – und er schnurrt wie ein Weltmeister.
Wie gerne liegt er auf mir! Sei es auf meinem Bauch oder meinen Beinen. Stundenlang kann er es sich auf mir gemütlich machen. Und mittlerweile wartet er sogar auf meine Rückkehr – so wie Luzi früher, wenn ich ihr gesagt hatte, dass ich nur mal kurz auf Toilette muss.
Mit anderen Worten: Eddie ist ein absolutes Kuschelmonster, das nicht genug vom Küssen und Schmusen bekommen kann.
… Nicht-Schmuserin Thali
Thali hingegen steht nicht so auf Körperkontakt.
Vielleicht ändert sich das ja noch. Auf ihrer bisherigen Pflegestelle ließ sie sich regelmäßig Köpfchen und den Hals kraulen. Das durfte ich jetzt auch schon mal. Nicht allzu lange, aber doch mehr als das eine Mal, das ich ihr immer am Fressnapf über Kopf und Rücken streichle.
Auch was das Schlafen betrifft, bleibt Thali auf Distanz. Zwar lag sie schon mal neben mir auf dem Bett, das aber nur für ein paar Minuten und mit gehörigem Abstand.
Das alles kann sich im Laufe der Zeit bestimmt noch ändern. Sicher ist das aber nicht. Weshalb sich ein neues Zuhause darauf einstellen sollte, mit Eddie den Schmuser und mit Thali die Spielerin zu adoptieren.
… Angst vor Besuch
Thali sei auch eine von diesen Geisterkatzen: Kommt Besuch, ist sie nicht mehr zu sehen. So sagte mir ihre Pflegestelle.
Auch hier ist bei uns wieder das Gegenteil der Fall. Bei Besuch dauert es nicht lange, dann steht Thali neugierig vor uns.
Wer ist das? fragt ihr Blick. Und gibt es jetzt vielleicht was zu essen? Ich könnte schon wieder…
Zwar lässt sie sich von dem Besuch natürlich auch nicht anfassen, aber sie zeigt keine Angst. Im Gegensatz zu Eddie, der vor jedem Besuch eine Heidenangst hat. Es sei denn, es handelt sich um unsere Nachbarin, die mag er sehr.
Nun zeigte sich aber, dass der Eddie sehr von Thalis Unerschrockenheit profitiert. Zwar versteckt er sich immer noch unter dem Sofa, sobald Besuch kommt. Aber mit etwas Geduld und einem guten Leckerli bekommt man ihn dann doch hervor. Das hat es vor Thali so kaum gegeben.
Zusammenführen zweier Katzen – Fazit
Diesmal scheint das Zusammenführen der Katzen geklappt zu haben. Wenn nicht noch irgendwas unerwartet Schlimmes passiert, dann haben wir mit Thali für den Eddie die passende Lebensgefährtin gefunden.
Bisweilen wirken die Neckereien zwischen den beiden zwar arg unfreundlich. Wenn Eddie den Macker gibt und Thali unter das Sofa flüchtet. Sie dort dann faucht und knurrt, weil er vor dem Sofa lauert. Aber wenn die beiden kurze Zeit später wieder Kopf an Kopf am Futternapf stehen, denke ich mir, dass diese Auseinandersetzungen zumindest für sie nicht so schlimm sein können.
Pack schlägt sich, Pack verträgt sich – könnte man sagen. Von mir aus auch: Was sich liebt, das neckt sich.
Das heißt, Thali wird zusammen mit Eddie in die Vermittlung gehen: Zwei FIV-Katzen, die ein nettes Zuhauses mit schönem Balkon suchen.
Aktuell gibt es noch keine Vermittlungsanzeige, denn die muss ich erst noch schreiben. Geben wir den beiden Süßis zuvor aber besser noch etwas Zeit, ihre junge Partnerschaft zu festigen. Immerhin soll die ein Leben lang währen.


