Bislang war ich noch nicht in der Situation, Erfahrungen mit dem Vergesellschaften von Katzen sammeln zu müssen. Luzi mochte keine Artgenossinnen und war einfach zu alt für diesen Sch***. Die Herren Ferdinand und Finnick hatten einander bereits. Und Eddie schien bis vor ein paar Wochen als Einzelkater ganz zufrieden zu sein. Doch dann änderte sich das. Seit ein paar Wochen zeigt Eddie Symptome der Vereinsamung. Also sollte ein Lebensgefährte her. So kam es zu Kater Joey.
Vorbereitung für das Vergesellschaften zweier Katzen: das Disko-Klo!
Doch bevor Joey bei uns einziehen konnte, brauchte ich erst einmal eine Idee, wohin ich das nötige zweite Katzenklo stellen sollte. Der einzige Platz in meiner Wohnung, der für so ein Katzenklo geeignet ist, befindet sich neben der Menschen-Toilette und ist bereits belegt.
Als die kleinen Jungs Ferdi und Finni bei mir lebten, hatte ich ein zweites Katzenklo in der Küche unter den Tisch gestellt. Aber ganz ehrlich: ein Katzenklo in der Küche? Das erscheint wahrlich nicht hygienisch.
Außerdem hatte Finni diesen Tick, das Klo vor der Benutzung immer erst einmal leerräumen zu müssen. Um dann das ganze Zeug schuldbewusst wieder Richtung Klo zurück zu schubsen, wenn ich ein verzweifeltes »Oh Finni!« geseufzt hatte.
Nein, Katzenklo in der Küche war nun keine Option. Blieb nur der viel zu kleine Platz zwischen Waschbecken und Badewanne. Doch das Katzenklo dort hinein zu quetschen war gleichbedeutend damit, eine Stolperfalle aufzubauen.
Mit Stolperfallen habe ich dieses Jahr so meine Erfahrungen gemacht. Im Frühsommer war ich des nachts über die Bauteile für das Balkongehege gestürzt und hatte mir einen Mittelfußknochen gebrochen. So etwas sollte und durfte nun nicht wieder passieren. Weshalb ich aus dem Luzis altem Katzenklo ein Disko-Klo gemacht habe!


Dank der großen Begeisterung meiner Nachbarin für Lichterketten hatte sie auch eine für uns übrig. Die hatten wir um das Klo herum geklebt, sodass es auch in der Nacht zum wahren Hingucker geworden war. Und weil die LED-Lichter sogar durch die Klowände hindurch schienen, hatte ich es Disko-Klo getauft.
Nun, da es ein zweites Katzenklo gab und ich auch noch ein paar feiste Leckerli besorgt hatte, konnte der Joey also einziehen.
Hallo Joey, du Fellmonster!

Wenn man ihn sich so anschaut, kann man kaum glauben, dass dieses süße Fellmonster ne ganz schön fiese Möpp sein kann, oder? Kann er aber. Leider.
Um es gleich vorwegzunehmen: Meine ersten Erfahrungen mit dem Vergesellschaften von Katzen fanden ein jähes Ende. Der Spaß ging nur über ein Wochenende. Dann war klar, dass Kater Joey nicht der passende Lebensgefährte für den süßen Eddie ist. Entsprechend haben wir nicht lange gefackelt und den Versuch für beendet erklärt.
Sehr zu Eddies Erleichterung. Wahrscheinlich hatte der viel schneller verstanden, was wir Menschen nicht sehen wollten. Dass der Joey nämlich zwei Gesichter hat. Ein total nettes. Und eines, hinter dem ein echt nicht netter Charakter steckt. Stinkstiefel, so habe ich ihn bald nur noch genannt. Obwohl der Stinkstiefel wirklich auch sehr süß sein konnte.
Bekannt war im Vorfeld über Joey nicht viel. Irgendwann dieses Jahr war er von der Straße geholt und in der Folge FIV positiv getestet worden. Fortan hatte er auf einer Pflegestelle zusammen mit einem anderen FIV-Kater gelebt, der inzwischen aber ein Zuhause gefunden hatte. Zurückgeblieben war Joey, der nun als Einzelkater auf seine Vermittlung warten sollte.
Doch dem Joey gefällt das Alleinsein nicht. Er wäre gerne Boss, hieß es. Und ohne Partnertier ist da keiner, dem er Ansagen machen kann. Aber wer will sich schon ständig von ihm herumschubsen lassen. Doch nicht etwa der Eddie, oder?
Warum vergesellschaften wir zwei Katzen, die beide dominant sind?
Wenn mich einer fragt, ob Eddie dominant sein könnte, dann sage ich:
Klar dominiert mich der Eddie! Er ist ein Kater, das machen die so mit Menschen!
Der Punkt war und ist aber: Bis zu diesem Wochenende habe ich meinen kleinen Freund noch nicht in Gegenwart von anderen Katzen erlebt. Ich konnte über sein Verhalten anderen Katzen gegenüber also überhaupt keine Aussagen treffen.
Anders seine vorherige Pflegemutter. Die hat ihn in einer großen Gruppe von Katzen erlebt und beschreibt Eddie als definitiv dominant. Da sie ihn aber auch als alles andere als einen Raufbold erlebt hat und über Joey ebenfalls nichts in der Art bekannt war, wollten wir es einfach probieren.
Fakt ist nämlich auch, dass Eddie und Joey zur Zeit die einzigen beiden FIV-Kater beim Katzenschutzbund sind. Zwar gibt es noch andere Katzen mit FIV, aber die sind dann auch noch mit dem Felinen Leukämie-Virus infiziert. Damit kommen sie natürlich nicht in Betracht.
Wenn es also schon zwei FIV-Kater gibt, die beide nicht wirklich länger alleine leben wollen und sollen – warum nicht einfach ausprobieren, ob sie nicht doch miteinander zurechtkommen?
Überdies hat Eddie mal wieder Interessenten. Als die sich gemeldet hatten, konnten sie noch nicht wissen, dass wir ihn nicht länger als Einzeltier vermitteln. Nun hatten die Interessenten sich bereiterklärt, Eddie auch im Doppelpack zu nehmen. Also wollten wir dafür sorgen, dass es ein Partnertier gibt.
So kam es also dazu, dass wir zwei dominante Katzen vergesellschaften wollten, obwohl wir uns schon gedacht hatten, dass das nicht klappen wird. Aber im Endeffekt kannst du eh nicht vorhersagen, was passieren wird. Den Versuch war es einfach wert.
Katzen vergesellschaften »schnell und schmutzig«
Eigentlich lautet der Tipp für die Vergesellschaftung zweier Katzen ja, es langsam und mit viel Bedacht zu tun. Eine Katzen-Begegnungstür spielt dabei eine große Rolle. Ebenso potentielles Klickern auf beiden Seiten der Tür. Auf dass die Katzen ihre erste Begegnung mit möglichst guten Erfahrungen verknüpfen.
Ich bin ein großer Fan dieses Konzeptes. Doch habe ich es nicht durchgeführt.
Der wesentliche Grund dafür ist, dass ich einfach keinen Raum habe, den ich mit einer solchen Begegnungstür abtrennen könnte. Mir bleibt gar nichts anderes übrig, als die Vergesellschaftung schnell und schmutzig durchzuführen. In der Hoffnung, dass die beteiligten Herren ihre Beziehung gewaltfrei oder mit einem möglichst kurzen Kampf ausdiskutieren.

Apropos kurzer Kampf. Wie aus dem Nichts heraus hatte Eddie seine Attacke gesetzt. So schnell konnte ich gar nicht schauen, wie er auf Joey zu gerannt, sich auf ihn geschmissen, eine Rolle mit ihm gemacht und dann unter dem Sofa verschwunden war. Und nicht nur mich hatte Eddie kalt erwischt. Auch Joey hatte damit nicht gerechnet. So zumindest erschien es mir, denn nach dieser Attacke saß er wie belämmert da und musste sich erst einmal übergeben.
Nun war mir im Vorfeld schon klar, dass es dazu kommen könnte. Vielleicht auch kommen müsste. Denn immerhin war es Eddies Revier, das auf dem Spiel stand. Er hatte was zu verteidigen.
Superfreundlicher Joey
Dem gegenüber tat Joey einen auf sehr freundlich. Sehr selbstbewusst zeigte er sich, aber auch sozial kompetent. Während sich Eddie noch viel unter dem Sofa versteckte, spazierte Joey durch die ihm fremde Umgebung und schaute sich alles an. Um dann immer wieder zu Eddie zu gehen und ihm einen netten Nasenstüber anzubieten. Was Eddie von Mal zu Mal immer weniger mit Fauchen quittierte.
Und siehe da, es gab da diesen Samstagnachmittag, an dem beide ganz lieb und friedlich nebeneinander auf meinem Schrank geschlafen haben. Eddie in seinem Bettchen, das da oben steht. Und der Joey daneben auf meinem alten Koffer.

Wow, dachte ich zu diesem Zeitpunkt. Sollten wir wirklich alle Probleme so schnell überwunden haben?! So ganz konnte ich mein Glück kaum fassen. Immerhin hatten wir die Nacht zuvor (es war unsere erste) allesamt kein Auge zugetan. Und am Vormittag hatte Eddie dem Joey doch unmissverständlich klargemacht, wer hier der Herr im Haus ist.
Stinkstiefel Joey
Allem Zweifel zum Trotz verlief unser erster gemeinsamer Samstag richtig nett. Und auch die Nacht zum Sonntag war kein Problem.
Allein fiel mir auf, dass Joey dem Eddie immer öfter den Weg abschnitt. Was in einer Wohnung wie meiner nicht schwer ist. Aber der neue Kater muss sich nicht zwingend in eine Tür legen, auf dass sich der alte Kater nicht hindurchtraut. Auch muss der Neue den Alten nicht immer aufs Klo folgen, um ihm dann dort den Rückweg abzuschneiden.
Eine solche Begrenzungsnummer war vorausgegangen, als es plötzlich zur Attacke von Joey kam. Zum Glück hatte Eddie schnell genug reagiert, es flog also nicht wieder Fell durch die Gegend. Aber fortan saß mein Kleiner nur noch unter dem Sofa. Anfänglich fauchend und knurrend. Später dann nur noch voller Angst vor dem fiesen Stinkstiefel.
Und ich war fassungslos. Ich meine, ich hatte beobachtet, wie Joey eigentlich alles getan hatte, um zu zeigen, dass der doch ein netter Kater ist. Wie er sich bemüht hatte, Eddie von sich zu überzeugen. – Um dann, nachdem ihm das gelungen war, einfach mal die Karten neu zu mischen.
»Du willst aufs Klo, kleiner Eddie? Aber nur, wenn ich das gestatte!«
Was ein Sausack! Mein Pflegemutterherz war aber mal so was von in Wallung! Und in diesem Zustand fackle ich auch nicht lange. Definitiv war mir am Sonntagabend klar, dass Joey am nächsten Tag wieder ausziehen würde.
Die Nacht zum Montag haben wir tatsächlich getrennt verbracht. In den wachen Zeiten habe ich aber viel mit dem Fellmonster gespielt. Um ihn müde zu machen und milde zu stimmen. Trotzdem hat sich Eddie kaum hervorgetraut oder gar auf die Toilette getraut. Tatsächlich musste ich Wache stehen, damit mein Kleiner in Ruhe kacken konnte.
Wenn das Vergesellschaften zweier Katzen gescheitert ist
Zuvor hatte ich noch im Bekanntenkreis gehört, wie lange das mit dem Vergesellschaften ihrer Katzen jeweils gedauert hatte. Die eine sprach von einem halben Jahr. Bei der anderen waren es mehrere Wochen.
Mag sein, dass es bei Eddie und Joey vielleicht irgendwann doch funktioniert hätte. Ich kann und will das gar nicht ausschließen. Nur brauche ich meinen Nachtschlaf. Und ich ertrage es nicht, wenn sich mein Kleiner nicht mehr frei durch unserer Zuhause bewegen kann.
Was soll ich also das Leid künstlich in die Länge ziehen? Zumal es dem Joey gutgetan hat, nach dem Aufenthalt bei uns direkt den Tierarzt aufzusuchen. Mir war nämlich aufgefallen, dass sich das Fellmonster ständig gekratzt und dabei viele Haare ausgerissen hat. Völlig verdreckte Ohren, Akne am Kinn und zwei alte Bisswunden hat der Kleine. Das macht sicherlich keine gute Laune!
Mittlerweile lebt Joey, wieder alleine, auf einer neuen Pflegestelle und kann sich dort auch erst einmal erholen.
Und der Eddie? Der trauert dem Stinkstiefel ganz bestimmt nicht nach. Zuerst einmal musste er sein Revier wieder einnehmen. So oft wie möglich den Catwalk rauf und runter flitzen. Überall gemütlich liegen, ohne Angst haben zu müssen, dass ein fieser Möpp ihn davon abhalten will.
Trotzdem braucht es auf lange Sicht einen Lebensgefährten für ihn. Sollten sich die neuen Interessenten als die passenden Adoptanten erweisen, müssen die also auch erst noch ein passendes Partnertier für Eddie finden.


