Katzen Kommunikation kann sehr individuell sein

Verwöhnt bin ich. Eine total verweichlichte Katzenmutter. Luzi ist aber auch so ein Kuscheltier. Und offensichtlich so tolerant, was mein Fehlverhalten auf ihre Feinheiten der Katzen Kommunikation betrifft. Wenn ich mal wieder nicht mitbekomme, dass ihr gerade etwas nicht passt, und dennoch angeschmust komme. Noch nie habe ich in einer solchen Situation ihre Krallen zu spüren bekommen.

Ganz anders jetzt zuletzt in Joschis Revier. Der hat mir zwar auch keine gezimmert. Dies aber auch nur, weil Romy und ihr Freund mich ständig gewarnt haben. All diese kleinen Zeichen, die die beiden sehen und verstehen. Ich hätte sie komplett ignoriert. Weil ich weiß, dass Luz niemals zuschlägt. Joschis Menschen aber haben ihre Lektionen offensichtlich gelernt.

Mein Bauch gehört mir!

In jüngster Zeit überrascht mich Luzi doch sehr. Ich darf neuerdings Stellen streicheln, davon hatte ich schon gar nicht mehr zu träumen gewagt. Aber nicht nur das. Ich darf sogar diese Bereiche in absoluter Nähe zu ihrem Bauch bürsten!

Früher, also kurz nach ihrem Revierwechsel, da hat die Luz mich gelehrt, dass ihre No-go-Area sogar über ihren Bauch hinausgeht. Da hatte ich mich mal in Bereiche ihrer Schenkel vorgewagt.

Das war das erste Mal, dass Luz mir auf die Finger gehauen hat. Aber eben auch nur das. Ein kleiner Schlag auf die Finger. Keine Krallen involviert. Später gab es nochmal sowas Ähnliches, da hatte ich eine Bürste in der Hand. Wieder ein deutlicher, aber krallenloser Hinweis, dass ich da nichts zu suchen habe.

Nun aber darf ich nicht nur ihre Schenkel anfassen. Ich darf auch in die Nähe ihres Bauches. Und ich darf da sogar bürsten!

Angefüllt mit diesen Gefühlen der Glückseligkeit traf ich mal wieder auf Joschi. Und hätte wahrscheinlich seine Krallen zu spüren bekommen, hätten Romy und ihr Freund mich nicht ständig gewarnt.

Dabei wollte ich ihm gar nicht in die Nähe seines schönen weißen Bäuchleins. Ich wollte ihm nur über den Rücken streicheln. Dass er schon da anfing, mit der Schwanzspitze zu zucken, habe ich noch nicht mal wahrgenommen. Geschweige denn als Warnung verstanden. Und das, obwohl ich weiß, dass die zuckende Schwanzspitze ein klares Zeichen in der Katzen Kommunikation sein kann.

Katzen Kommunikation: Schwanzwedeln

Das größte Missverständnis in der Katzen- und Hunde-Kommunikation geht wohl vom Schwanz aus.

Wenn ein Hund mit seinem Schwanz wedelt, bedeutet das meistens was Gutes. Soweit ich als Katzenmensch weiß, wedelt ein Hund aber auch mit seinem Schwanz bei gestresster Aufregung. Aber meistens ist es wohl doch ein gutes Zeichen.

Anders bei Katzen. Wenn eine Katze mit ihrem Schwanz wedelt, ist sie gar nicht wohlgestimmt. Zumindest ist sie definitiv gestresst. Das muss nicht nur ein Hund, sondern auch ein Mensch erst einmal verstanden haben.

Umgekehrt ist es bei Katzen ein sehr gutes Zeichen, wenn sie ihren Schwanz hochtragen. Die Schwanzspitze ist dann abgerundet, sodass es aussieht, als trüge sie ein umgedrehtes Fragezeichen.

Streckt hingegen ein Hund seinen Schwanz so in die Höhe, will er wahrscheinlich einen auf dicke Hose machen. Aber bitte, so ganz genau weiß ich das nicht. Ich bin ein Katzenmensch.

In der Kommunikation zwischen Katzen und Hunden sorgt dieser Unterschied jedenfalls immer wieder für Verwirrung. Sodass so mancher Hund sich schon gewundert hat, warum er (für ihn völlig unvermittelt) eine Krallenpfote im Gesicht hat.

Und jetzt kommt die Luz. Die wedelt auch manchmal mit ihrem Schwanz. Dann lächle ich sie an und sage:

»Was ist das denn? Wo hast du denn dein glückliches Schwänzchen gelassen?«

Oft reicht das. Kaum ausgesprochen, schnellt das hübsche Fragezeichen-Schwänzchen in die Höhe.

Und wenn das nicht reicht, hilft es oft, wenn ich ihr einmal über den gesamten Rücken streichle. Spätestens wenn meine Hand am tiefen Rücken angekommen ist: Schwupps, steht das Fragezeichen wie eine Eins.

Bei Joschi sollte ich dergleichen wohl besser nie wagen…

Katzen Kommunikation: Kleines Zucken der Schwanzspitze

Bei Joschi ging es nun nur um ein kleines Zucken seiner Schwanzspitze.

Hallo? Ich kenne die Luz kaum anders als mit leicht zuckender Schwanzspitze! Wenn ich die immer als Warnung verstehen würde, würden wir beide nie zusammen kuscheln!

Aber Luz ist nun mal eine Angstkatze. Die kann gar nicht anders, als ständig ein wenig besorgt und angespannt zu sein. Sicher, es gibt Momente, in denen sie sich tatsächlich gehenlässt und maximal entspannt zu sein scheint. Aber in allen anderen Situationen bleibt da diese kleine Bewegung in ihrer Schwanzspitze.

Für mich ist dieser Anblick so normal, dass ich es bei Joschi gar nicht wahrgenommen habe. Wie bei Luz wollte ich ihm einfach nur nett über seinen langen Rücken streicheln – und erhielt augenblicklich den Hinweis:

»Könnte gut sein, dass du dir gleich eine fängst!«

What?!? Wegen ein wenig Rückenstreicheln?!?

Nee, hieß es da, das mag er nicht. Streicheln geht nur bis zu den Schultern.

Da fiel mir, zumindest innerlich, doch erst einmal die Kinnlade herunter. Auch fragte ich mich, wie oft ich ihm schon über den langen Rücken gestreichelt hatte, ohne dafür Bekanntschaft mit seinen Krallen gemacht zu haben.

Überhaupt hat Joschi mich noch nie gekratzt. Eher hat er mich für einen Baum gehalten, an dem er hochklettern könnte. Aber ich bin von ihm auch schon zuckersüß begrüßt worden. Inklusive Katzenküsschen. Denn eigentlich ist er doch ein wahrer Knutscher.

Aber da hatte ich offenbar immer einfach nur Glück. Oder einen seiner guten Tage erwischt.

Unterschiede der verbalen Katzen Kommunikation

Eindrücklich finde ich ja auch immer wieder die großen Unterschiede zwischen Joschi und Luzi in Sachen verbaler Kommunikation.

Da stand ich nun in seiner Küche, eine Tüte Trockenfutter in der Hand, und Joschi saß wie ein Hündchen vor mir. Himmelte mich mit Blicken an. Zeigte mir, wie toll er doch Sitz machen kann. Aber kein Laut dabei über seine Lippen.

Demgegenüber die Luz. Zwar kann auch die in solchen Momenten zeigen, wie toll sie sitzen kann. Und hübsche Augen machen kann sie wie keine Zweite. Aber wenn das nicht zu sofortigem Erfolg führt, maunzt sie mich an. Und dies in einer Lautstärke, als ginge sie davon aus, dass ich schwerhörig sein muss.

Bin ich im gewissen Sinne ja auch.

Denn was muss die Luz denken, wenn ich auf ihre hübschen Augen und das perfekte Sitz nicht reagiere:

Wie deutlich muss ich noch werden, damit sie mich versteht?!?

Als Katze, die sich sehr an ihren Menschen gebunden hat, weiß sie, dass stimmliche Äußerungen eigentlich immer zu einer gewünschten Antwort führen.

Ich habe das aber auch unterstützt. Von Anfang an. Luz bekommt von mir immer eine Antwort, wenn sie mit mir spricht. Und wenn es nur ein gedankenverlorenes »HmHm« ist. Ich mag das einfach, diese großartigen Gespräche zwischen uns beiden.

Auch wenn ich lieber mit Nasenstüber als mit lautem Maunzen direkt ins Gesicht morgens geweckt werde.

Kratzbürste versus Lämmchen

Nach diesem Besuch dachte ich einmal mehr: Kein Wunder, dass es zwischen Joschi und Luzi so gar nicht klappen wollte. Die beiden sprechen eine völlig unterschiedliche Sprache!

Dabei finden wir Menschen die Eigenheiten unserer Süßen gerade besonders reizend. Romy und ihr Freund lieben das Widerspenstige ihres Katers mindestens mal so sehr wie ich Luzis zurückhaltende Lämmchen-Art.

Aber bei allen Unterschieden sind die beiden sich doch in einem einig: Unsere Tierärztinnen können beide überhaupt gar nicht leiden.

Joschi bekommen Romy und ihr Freund immerhin noch in die Praxis transportiert. Dies aber auch schon nur noch unter Gabapentin. Denn ohne Gaba schreit der Joschi die gesamte Praxis in Grund und Boden. Aus Wut und Ärger, wie Romys Freund meint.

Ich tippe aber darauf, dass auch Angst im Spiel ist. Wenn auch vielleicht mehr wegen des Kontrollverlustes als wegen der nackten Panik, die Luzi übermannt, wenn ihr eine Tierärztin ans Fell will.

Aber was soll das für eine Beziehung sein, die auf der geteilten Abneigung Tierärzten gegenüber fußt?

Da ist schon wirklich besser, dass Kratzbürste und Lämmchen getrennte Wege eingeschlagen haben. Und wie traurig wäre mein Leben, hätte Luzi hier nicht ihr Revier aufgeschlagen…

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