Katze in der Küche: ja, nein, doch, oder?

Wenn man bei Google Suchbegriffe wie Küche, Küchentisch oder Küchenzeile mit Katze kombiniert eingibt, findet man erst einmal hauptsächlich Anleitungen, wie man Katzen von Tisch und Herd fernhält. Aus guten Gründen: Herd, scharfe Messer und co können Katzen ganz schön gefährlich werden. Irgendwo las ich sogar, dass man der Katze am besten ganz den Zugang zur Küche verwehrt. Aber kann ich mir ein Leben ohne meine Katze in der Küche vorstellen? Ganz sicher nicht.

Luzi auf dem Küchentisch: Rémy lässt grüßen

Im Nebenberuf ist Luzi, da bin ich mir sicher, Köchin. Vielleicht ist sie nicht ganz so talentiert wie Ratte Rémy aus Ratatouille. Aber immer wenn Luzi mir vom Küchentisch aus beim Kochen zuschaut. Wenn sie interessiert an jedem Gemüse schnuppert, bevor es in Pfanne oder Topf kommt. Ich kann nicht anders, dann muss ich unweigerlich an den kleinen Koch denken. Entsprechend nenne ich sie dann auch so: meine kleine Köchin.

Nun mag der ein oder die andere aufschreien:

Oh mein Gott, die dicke Katze sitzt auf dem Küchentisch?!
Wie unhygienisch!

Ja, mag sein. Aber in der Tat esse ich eigentlich so gut wie nie an meinem Küchentisch. Und wenn ich ihn mit Gästen nutze, säubere ich ihn natürlich vorher. Schlimmstenfalls hüpft Luzi, bevor die Gäste kommen, noch einmal hoch und schaut sich empört um. Während des Essens aber würde sie niemals auf den Tisch springen. Dafür hat sie viel zu große Angst vor anderen Menschen.

Tatsächlich begrüße ich es sogar, wenn Luz auf dem Tisch sitzt. Besser so, als wenn mir meine Katze in der Küche um die Füße streicht und ich über sie stolpern könnte. Und noch schlimmer: Ich locke Luz sogar hoch auf den Tisch. Denn dann befindet sie sich auf einer Höhe, auf der es sich gut kuscheln lässt. Alte Frau will sich nicht immer bücken müssen. Und das tägliche Küchentischschmusen gehört einfach mit ins Programm.

Warum ist der Küchentisch so beliebt?

Nun ist mir natürlich klar, dass Luz nur deshalb so gerne auf dem Küchentisch sitzt, weil sie von dort einen guten Ausblick auf alles hat, was man essen kann. Im Zweifel könnte ja immer mal was für sie abfallen, oder?

In Hinblick auf mein Futter ist das aber höchst selten der Fall. Aber da steht ja noch die Box. Also, wir reden hier von der Box. In der befinden sich Futter und Leckerli fürs Luz, und das weiß sie natürlich genau. Weshalb sie diese Box sehr liebhat. Sie reibt sich daran, köpfelt sie, wirft mir währenddessen auffordernde Blicke zu. Dabei bleibt es im Allgemeinen auch.

Nie werde ich aber vergessen, wie sie eines Tages einen Einbruchsversuch startete. Das war noch ganz zu Beginn, ich hatte ein neues Trockenfutter für unser Clickertraining angeschafft. Das gehörte leider in die Kategorie viel zu gut, um gut zu sein. Sprich: Luz reagierte auf das Zeug wie ein Junkie auf seinen Stoff.

Ungefähr eine Woche lang schrie sie mich regelmäßig vom Küchentisch aus an – ich übersetze mal kurz: »Will haben, will haben, will haben! Los, gib mir!!« Das war nicht schön. Und dann ertappte ich sie dabei, wie sie versuchte, die Box mit ihrem Schnappverschluss zu öffnen. Daraufhin habe ich das Zeug weggeworfen. Seitdem steht Trockenfutter unerreichbar für Luz oben auf dem Schrank.

Luzi futtert auf dem Küchentisch

Wenn ich meinen Küchentisch schon kaum zum Essen nutze, kann es ja zumindest meine Katze tun. Auch das mag den ein oder die andere entsetzen. Ich hingegen sehe es so: Besser hier als auf der Küchenzeile

Manchmal ist mein verhungertes Luz halt so hungrig, dass es gar nicht schnell genug gehen kann. Nun hat sie aber gar nicht mehr so viele Zähne, ich muss ihr das Futter also vorher ein wenig zerdrücken. Das ist aber nicht immer so einfach… Oft genug schon standen wir Stirn an Stirn über ihren Napf gebeugt. Sie darum rangelnd, endlich an ihr Futter ranzukommen. Ich darum rangelnd, das Zeug erst einmal zerdrücken zu können. Darüber könnte ich mich dann immer kaputtlachen, würde das aber wahrlich nicht mit jeder Katze machen wollen. Bei Luz geht es nur, weil sie eigentlich ein Lämmchen im Katzenfell ist.

Mit anderen Worten: Luz den Zugang zum Küchentisch zu verweigern, kommt für mich nicht in Frage. Ganz im Gegenteil feier ich ihre Begeisterung für diesen Tisch und nenne sie liebevoll Kütika, also Küchentischkatze.

Katze auf der Küchenzeile

Anders sieht es da mit der Küchenzeile aus. Also anders auch nur in Hinblick auf die etwaige Möglichkeit, darüber gegebenenfalls mal nachzudenken, Luz ganz eventuell den Zugang zu verweigern. Denn der Anblick von ihr neben dem Herd bereitet mir schon ab und an Magendrücken.

Aber wie auf dem Bild oben zu sehen, sorge ich dafür, dass auf einer noch heißen oder zumindest sehr warmen Herdplatte immer ein Topf steht. Im Allgemeinen hält Luz sich davon fern. In den meisten Fällen hüpft sie auch erst auf die Küchenzeile, wenn die Kochaktion beendet und der Herd bereits weitgehend abgekühlt ist.

Auch sorge ich dafür, dass auf der Küchenzeile nichts herumsteht, das sie anknabbern oder das ihr sonstwie gefährlich werden könnte. Scharfe Messer und Küchenkräuter habe ich gar nicht. Und wenn doch, dann stehen sie nicht dort.

Essensreste vermeiden

Essensreste können schon einmal ein Thema sein. Wobei ich mit Resten tatsächlich nur letzte Spuren auf Tellern meine. Grundsätzlich versuche ich nämlich zu vermeiden, mehr zu kochen, als ich verzehre. Und falls doch mal etwas Nennenswertes übrig bleibt, entsorge ich diese Reste, statt sie herumstehen zu lassen.

Dennoch kann es passieren, dass noch ein My, also ein klitzekleiner Rest, auf dem Teller verbleibt. Sagen wir: Salatdressing. Da kann es vorkommen, dass Luz meine Aufforderung missversteht, doch auch mal das Spülen zu übernehmen. »Aber doch nicht mit der Zunge, Schatz!« pflege ich in solchen Fällen zu sagen. Luzi schaut mich dann immer ein bisschen trotzig an, als wolle sie sagen: »Doch, genau so!«

Luzi unter der Gastherme

Ein Grund für mein Magendrücken ist auch, wenn meine Katze in der Küche unter der Gastherme sitzt. Dummerweise ist das einer ihrer Lieblingsplätze. Der hat sie besonders am Tag nach ihrer ersten Zahn-OP wie magisch angezogen. Den liebt sie aber auch ohne Spätfolgen einer Narkose. Von dort hat sie nämlich unseren Catwalk, also den Weg vom Wohnzimmer in Flur und damit zur Küche und zum Bad, gut im Blick.

So süß ich es auch finde, von dort mit einem freundlichen »ey a« begrüßt zu werden. In meiner Phantasie sehe ich immer wieder, wie sie sich mit ihrem Schwanz in der Therme verheddert. Zudem gibt es dort im unteren Bereich Elemente, die durchaus recht warm werden können.

Auch immer eine Sorge: der Absturz

Um auf die Küchenzeile zu kommen, hüpft Luz immer erst einmal über einen Stuhl auf den Tisch und von dort dann rüber zum Arbeitsplatz. Die Distanz ist nicht allzu groß. Dennoch ist es bereits einmal passiert, dass sie beim Sprung zurück auf den Tisch keinen Grip bekommen hat. Sprich: Sie ist mit den Vorderpfoten ins Rutschen gekommen und hat es zudem nicht mehr geschafft, ihre Hinterpfoten unter ihren Körper und somit auf den Tisch zu ziehen. Stattdessen schwangen die unter der Tischplatte durch, weshalb sie letztlich herunter- und dann auch auf den Rücken gefallen ist. Ich stand direkt daneben, konnte so schnell aber nicht reagieren.

Zum Glück ist damals nachweislich nichts Schlimmes passiert. Wahrscheinlich war es für sie auch nicht so erschreckend wie für mich. Jedenfalls hält es sie nicht davon ab, immer wieder hin- und herzuspringen. Während ich immer am liebsten wegschaue.

Eine Option habe ich jedenfalls mal gar nicht: Luz den Zugang zur Küche zu verwehren. Dazu bräuchte es eine Tür. Die aber habe ich kurz nach meinem Einzug direkt ausgehängt. Kleine Wohnung, kleine Küche, wer braucht da schon Türen?

Und so lebe ich also weiterhin mit der Herrscherin über den Küchentisch, die von dort meine Kochkünste beurteilt.

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