Handwerker im Revier – geht gar nicht, findet die Luzi

In diesen Corona-Zeiten haben wir so gut wie keinen Besuch in Luzis Revier. Freund/innen treffe ich jedenfalls nur draußen. Noch nicht einmal unsere Tierärztin kommt zum Hausbesuch. Was sich jedoch kaum vermeiden lässt, ist der Besuch vom Handwerker im Revier. Dabei ist der Termin mit dem Schornsteinfeger genauso unvermeidlich wie der mit dem Wartungstechniker für die Gastherme. Beide kennt Luzi schon – und mag sie nicht besonders. Nun aber kam es noch schlimmer…

Handwerker in Luzis Revier: der Schornsteinfeger

Luzi steht nicht wirklich auf Besuch. Letztlich kommt es aber immer auf den Einzelfall an. Sie hat mich schon überrascht und sich neugierig und mutig gezeigt. Nie werde ich vergessen, wie sie die Tochter einer Freundin eindrücklich darauf aufmerksam gemacht hat, dass sie ihr die Leckerli zügiger reichen könnte. Dabei hatte sich die beiden noch nie zuvor gesehen.

Auch bei ihrer ersten Begegnung mit dem Schornsteinfeger zeigte sich Luzi überraschend cool. Lässig trottete sie in die Küche. Und das, obwohl es geklingelt hatte und ich wartend an der Wohnungstür stand. Und nur staunen konnte. Denn zu der Zeit war Luzi noch nach jedem Klingeln direkt im Schrank verschwunden. Nun aber war sie ausgerechnet in die Küche gegangen – in den Raum, in den auch der Schornsteinfeger wollte.

Ich glaube, es war unser erster Besuch von einem Handwerker in Luzis Revier. Damals jedenfalls habe ich mir angewöhnt, jeden Handwerker vor dem Betreten der Wohnung vorzuwarnen:

»Hallo«, sage ich dann immer, »ich muss Ihnen sagen, dass hier eine Katze lebt. Und die hat große Angst vor Fremden. Sie wird Ihnen nichts tun, aber wahrscheinlich panisch davonlaufen. Deshalb, bitte, die Wohnungstür muss immer zu sein.«

Die meisten reagieren dann mit einem »Ich tue ihr auch nichts« oder fangen direkt an zu erzählen von ihren Begegnungen mit Haustieren. Die offenbar nicht immer nett ausfallen. Im Falle des Schornsteinfegers haben wir dann auch über seine Katzen gesprochen.

Luzi jedenfalls war entsetzt, als dieser nette Mann mit der beeindruckend lauten Stimme ausgerechnet in die Küche kam. Aber irgendwie hat sie es geschafft, an ihm vorbei in den Flur und dann Richtung Schrank zu flüchten.

Arbeiten an der Gastherme in Luzis Revier

Nun haben die regelmäßigen Arbeiten an der Gastherme einen gewissen Vorteil: Sie finden in der Küche statt. Damit betreffen sie nur einen Teil der Wohnung und erfordern nicht, dass die Handwerker im restlichen Revier herumlaufen. Luzi kann sich also im Schlafzimmer verschanzen und fühlt sich nicht gar so schlimm bedroht.

Nun hatten wir aber letztes Jahr die Situation, dass die ganze Therme ausgetauscht werden musste. Wir hatten also für einen ganzen Tag zwei Handwerker im Revier, die auch noch ins Wohnzimmer mussten. Die uns für fast die ganze Zeit die Heizung und für eine gewisse Zeit das Wasser abgestellt haben. Und die auch noch morgens eine Viertelstunde zu früh gekommen waren. Mit anderen Worten: Luzi und mir stand ein richtiger kuscheliger Tag bevor.

Aber da hat sie mich mal wieder völlig mit ihrer Coolness überrascht. Klar, sie fand das alles nicht toll. Aber im Prinzip war sie so souverän, wie man als Katze nur sein kann, wenn plötzlich Fremde da sind, die auch noch für Lärm und Dreck sorgen. Boah, war ich da stolz auf meine kleine Panthera. Und ein bisschen auch auf mich, weil ich dachte, dass sich all unser Training doch lohnt und für mehr Selbstbewusstsein sorgt.

Doch dann kamen die Fenster-Bauer…

Handwerker im Herzen von Luzis Revier: die Fenster-Bauer

Jüngst begab es sich, dass ich die offene Balkontür schließen wollte und feststellen musste, dass sie gar nicht schließen ließ, noch nicht einmal mehr in den Rahmen passte. Moment, dachte ich, ich habe doch gelernt, wo man die Tür justieren kann. Also fiel mein Blick auf die obere Türangel. Also jenen Bereich, wo sich auch die Kippfunktion der Tür befindet. Und genau von dort kam mir die ganze Tür nun entgegen.

Luzis Rampe als Sicherung für die kaputte Balkontür
Luzis Rampe sichert die kaputte Balkontür

Wie auch immer ich geschafft habe, aber irgendwie habe ich es hinbekommen, a) von der Tür nicht erschlagen zu werden und sie b) wieder in den Rahmen zu drücken. Nur c) schließen konnte ich sie nicht.

Mittlerweile weiß ich, dass Balkontüren ein Getriebe haben und dass dieses bei meiner kaputt ist. Aber in dem Moment musste ich mir erst einmal selbst helfen und die Tür irgendwie arretieren. Den Job übernommen hat Luzis Rampe, dieses alleskönnende Wunderwerk.

Diese Notfallmaßname konnte aber nicht die Lösung sein. Es brauchte den passenden Handwerker, sprich: den Fenster-Bauer. Und der schickte mir zwei Monteure, die normalerweise gar nicht im Kundendienst arbeiten. Entsprechend waren die beiden betont freundlich, wollten alles richtig machen und einen guten Eindruck hinterlassen. Eindruck hinterlassen haben sie auf jeden Fall. Den guten allerdings nur bei mir.

Luzi lag nichts Böses ahnend auf dem Bett und sah das Unheil in Handwerker-Gestalt auf sich zukommen – und dann sage und schreibe ihr Refugium, ihr heiliges Schlafzimmer betreten! Was ein Entsetzen in ihren Augen! Wie gelähmt schien sie im ersten Moment. Doch dann nutzte sie die nächstbeste Gelegenheit und flüchtete zu ihrem letzten Zufluchtsort: hinter das Klo.

»Vierzehn? Nein, die sieht doch noch ganz jung aus!«

Und hinter dem Klo saß sie auch noch, als die Herren längst gegangen waren. Deshalb hat sie auch gar nicht das beste Kompliment aller denkbaren Komplimente mitbekommen.

Die Handwerker zeigten sich durchaus interessiert an der kleinen Maus. Wo sie gerade steckt. Und ob sie Junge oder Mädchen ist. Solche Sachen. Und dann fragte einer von beiden nach ihrem Alter. Ich erklärte ihm den komplexen Zusammenhang (vierzehn laut Tierheim, aber wir feiern jedes Jahr ihren elften Geburtstag), woraufhin er sagte: »Vierzehn? Nein, die sieht doch noch ganz jung aus!«

Ich meine, hallo, besser kann man sich als Handwerker doch nicht verkaufen, oder?

Lange hat es diesmal gedauert, bis Luz sich wieder beruhigt hatte. Und dann kam, was kommen musste: In der folgenden Nacht lief sie laut maunzend durch die Wohnung, um sich schließlich zu erbrechen. Arme Maus!

Arme Maus vor allen Dingen auch, weil es das ja noch nicht war. Die beiden Monteure habe erst einmal diagnostiziert und dann die Tür gesichert. Sprich: Sie haben sie zugeschraubt. Passieren kann da jetzt nix mehr. Allerdings kann Luzi nun nicht ihr Näschen in die frühe Frühlingsluft strecken.

Definitiv werden demnächst die Kundendienst-Kollegen kommen, um die Tür dann zu reparieren. Wieder werde ich schon an der Tür mein Sprüchlein aufsagen. Und wieder wird Luz entsetzt hinter dem Klo hocken und in der Folgenacht die Spuren ihrer Angst auf dem Fußboden hinterlassen. Aber immerhin bekommt die Luz danach wieder frische Luft ab.

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