Geruchssinn einer Katze: Luzi schnüffelt überall

Der Geruchssinn einer Katze soll ja angeblich richtig toll sein. Also vielleicht nicht so toll wie der so manches Hundes. Sicherlich aber besser als meiner. Umso mehr wundere ich mich manchmal, was Luzi olfaktorisch, also den Geruchssinn betreffend, alles nicht mitbekommt.

Zum Beispiel liegen nach ihrem morgendlichen Fußballtraining oft noch diverse Leckerli am Boden. Die muss ich ihr dann zeigen. Oder ich trage sie ihr gar hinterher. Und bezüglich dessen, wie gut oder schlecht etwas riecht, haben die Luz und ich definitiv unterschiedliche Vorstellungen. Anders lässt sich ihr Schnüffeln an meinen Füßen nicht erklären.

Katze schnüffelt am Boden

Zuletzt verging kein Tag, an dem sich Luzi nicht intensiv durch Flur und Wohnzimmer geschnüffelt hat. Dabei kam ich sogar in den Genuss, sie zum ersten Mal im Zustand des Flehmens beobachten zu können. Also jenes Momentes, in denen sich Katzen mit entrücktem Blick und leicht geöffnetem Maul Geruch sozusagen auf der Zunge zergehen lassen. Wobei es nicht die Zunge ist, um die es da geht.

Laut Wikipedia hat Flehmen oft was mit dem Sexualzyklus eines Säugetieres zu tun. Nun, was soll ich sagen: Dieser Zug ist bei Luz schon lange abgefahren. Dennoch lässt sie sich Gerüche auf dem Jacobson-Organ zergehen. Das ist nämlich nicht nur für Pheromone gut, sondern auch in Hinblick auf Nahrungsquellen und Reviermarkierungen hilfreich.

Warum Luz nun den speziellen Geruchssinn einer Katze zuletzt ausgerechnet am Fußboden im Wohnzimmer einsetzen musste, hat sich mir nicht wirklich erschlossen. Einmal hat sie dann sogar noch an der Stelle geleckt, die sie so verzückt hat. Zu riechen oder gar zu sehen war für mich jedenfalls nichts. So kann ich nur vermuten, dass ich die Tage zuvor dann doch noch schnell mal mit Straßenschuhen durch Flur und Wohnzimmer gelaufen war, weil ich mal wieder irgendwas vergessen hatte. Dabei habe ich offenbar etwas Interessantes in der Wohnung verteilt.

Revier sichern nach Besuch

Wenn sich Luzi sonst derart durch ihr Revier schnüffelt, war vorher Besuch da. Handwerker zum Beispiel tun es ihr zumindest im Nachhinein sehr an. Auf den Besuch selbst könnte sie hingegen getrost verzichten. Aber von dem Duft, den speziell Handwerker verbreiten, nimmt Luzi hinterher immer diverse tiefe Züge.

Ich erinnere mich auch an ihre Verzückung nach einem Brunch, zu dem ich eingeladen hatte. Den Vormittag an sich fand sie zwar gar nicht lustig und verbrachte ihn versteckt hinter dem Vorhang im Schlafzimmer. Als die Gäste dann (endlich!) weg waren, konnte sie nicht mehr von dem Stuhl lassen, auf dem eine Freundin gesessen hatte. Musst du gut riechen!, habe ich der Freundin hinterher gesteckt, Luzi war begeistert!

Gut riechen hin oder her – ich denke, es geht um Reviersicherung. Herausfinden, wer sich hier alles herumgetrieben hat. Wichtige Informationen sammeln. Und dann möglichst den eigenen Duft überall verbreiten, um klarzustellen, wer hier das Sagen hat.

Morgendliches Schnüffeln am Ohr

Normalerweise weckt die Luz mich ja mit intensivem Zupfen an meinem Kissen. Parallel zum Beschnuppern des Fußbodens kam nun auch beim Wecken eine neue Strategie zum Einsatz: das intensive Schnuppern an meinem Ohr.

Das stelle man sich wie folgt vor: Auf der Seite liegend, Luzi hinter meinem Kopf wissend, spüre ich plötzlich ihr feuchtes Lakritznäschen direkt oberhalb meines Ohres. Und höre, wie sich das kleine Trüffelschweinchen durch meine Haare schnüffelt und dabei heftig schnurrt. Ich meine: Hallo! Das ist doch mal eine charmante Art, viel zu früh geweckt zu werden! Vor allem, wenn dem grunzenden Schnuppern dann auch noch eine liebevolle Zungenmassage an eben dieser Stelle neben der Schläfe folgt.

In den Folgetagen hat Luz sich dann rund um dieses Ohr gearbeitet. Mal hat sie sich die Ohrmuschel vorgenommen. Dann war gar liebevoll die Wange dran. Schließlich meine Schulter. »Wer braucht da noch einen Lover?« fragte mich Romy. Ich konnte ihr nur zustimmen.

Geruchssinn einer Katze: Was stinkt und was stinkt nicht?

Nun ist es wahrlich schwer, sich als Mensch in Sachen Geruchssinn mit einer Katze vergleichen zu wollen. Im Prinzip sind wir Menschen, was die Nase betrifft, doch komplett blind.

Nehmen wir diese Wohlfühlzerstäuber, mit denen man Katzen den Revierwechsel oder den Einzug eines Artgenossen erleichtern kann. Diese Dinger verbreiten wohlige Pheromone, die man selbst überhaupt nicht wahrnimmt. Die man andererseits aber nicht berühren oder gar zu sich nehmen soll, weil sie so giftig sind. Ob es Luzi geholfen hat? Ich werde es nie erfahren. Denn auch für diese erste Erfahrung gibt es keine zweite Chance.

…Katzenfutter

Bleiben wir also bei den Gerüchen, die auch ich wahrnehmen kann. Fangen wir beim Futter an. Vor dem Verspachteln schnuppern Katzen immer erst mal am Napf. Auch wenn sich da vielleicht immer dieselbe Futtersorte findet, könnte es ja immerhin sein, dass Dosi was daruntergemischt hat. Ein fieses Medikament zum Beispiel. Die feine Katzennase findet das sofort heraus.

Wobei Menschen wie ich sich nur wundern können, wie man als Katze auf die Idee kommen kann, dieses stinkende Etwas von Futter sei ansatzweise verzehrbar. Mann, was kann Katzenfutter ekelhaft stinken! Auch wenn ich mich dafür schäme, aber unter anderem auch die Nase eines Futters sorgt in Luzis Revier für Kaufentscheidungen ihres Dosis. Dabei macht die Erkenntnis, dass Futter oft nur deshalb etwas geruchsschwächer sind, weil ihnen eine gewisse Menge Zucker beigemischt wurde, die Scham nur noch größer.

…Baldrian

Baldrian ist auch so ein Ding, woran sich die Geister des Geruchssinns von Katze und Mensch scheiden. Wobei… Ich weiß von einer Frau, die steht total auf den Geruch von Baldrian. Auch wenn sie selbst keine Katze hat, kann man ihr mit Baldriankissen offenbar eine echte Freude bereiten.

Geruchssinn einer Katze: Kater Joschi erfreut sich an seinem Baldriankissen.
Joschi erfreut sich an seinem Baldriankissen. foto: Romy

Freude an Baldriankissen erleben auf jeden Fall Luzi und ihr ungeliebter Ex Kater Joschi. Dabei kann die Freude durchaus unterschiedlich ausfallen. Ich habe Luzi schon erlebt, wie sie mit dem Kissen gespielt hat, als sei es eine Maus, die es zu erlegen gilt. Damals hat sie es durch das Zimmer gepfeffert und ist hinterhergesprungen. Meist jedoch hält sie es wie Joschi und schmust mehr oder weniger wild mit dem Kissen.

Währenddessen ich nur darüber nachdenke, wie ich den Gestank nach Füßen, die wochenlang keine Dusche gesehen habe, wieder aus der Wohnung bekomme.

Katzenminze, die für Menschen so viel angenehmer riecht, kann Luzi jedenfalls weit seltener vom Bett herunterlocken als Baldrian. Und das sogenannte Spielspray, das meist eine Mischung aus allem Möglichen ist, lässt Luz völlig kalt.

…Kaffee

Im Zuge der Recherchen zu diesem Beitrag bin ich darauf gestoßen, dass Kaffee den Geruchssinn einer Katze beleidigen soll. So eine laufende Kaffeemaschine sei also für Katzen sehr abstoßend.

Da wundere ich mich mal wieder nur, warum Luzi so gerne an meinem Kaffeebecher schnüffelt. Sie wirkt dabei nicht so, als treibe ihr Masochismus sie an. Eher, fürchte ich, könnte sie auf die Idee kommen, mal kosten zu wollen. Was ich natürlich niemals gestatten würde. Ich bin nicht sicher, wie giftig Kaffee für Katzen ist. Aber ganz bestimmt möchte ich nicht, dass mir hier ein schwarzer Flauschflummi durch die Wohnung hopst.

…Stuhlgang

Definitiv an Luzis Geruchssinn zweifle ich, wenn ich mal wieder nach Hause komme, die Tür öffne und gegen eine Wand des Grauens anlaufe. Auf der einen Seite freue ich mich: Ah, Luzi hat ihr Geschäft erledigt! Auf der anderen Seite frage ich mich, wie es nur sein kann, dass ein so kleines, so niedliches Wesen einen derart abartigen Gestank produzieren kann. Und dann so harmlos dreischaut, als würde sie selbst gar nicht merken, was sie da verbrochen hat.

Okay, fasse ich mir an meine eigene Nase und gestehe, dass ich auch nicht immer nach Veilchen dufte. Aber ganz ehrlich: Nicht im schlimmsten Zustand bin ich auch nur ansatzweise in der Lage, mit etwas Vergleichbarem aufzuwarten.

Nun bin ich im Zuge meiner Recherchen für diesen Beitrag auch auf bahnbrechende, höchst wissenschaftliche Erkenntnisse gestoßen. So auf das weitgehend noch unerforschte Darmbakterium Diabolicus odor. Allein das lässt Katzen zu Höchstleistungen in Sachen fäkalem Gestank auflaufen.

Meine Katze stinkt nicht!

Apropos Gestank: Abgesehen von diesen zum Glück relativ seltenen Momenten stinkt meine Katze nicht. Das kann ich mit absoluter Gewissheit sagen. Immerhin vergrabe ich mindestens einmal am Tag meine Nase ganz tief in Luzis Fell und nehme ein paar tiefe Züge des wohligen Dufts, den sie verströmt.

Manchmal nehme ich dann einen Geruch wahr, der dem entspricht, was ich zuvor gegessen habe. Hatte ich einen Apfel, dann duftet Luzi zum Beispiel verführerisch nach frischem Apfelkuchen. Wenn sie mal wieder nach Schokolade riecht, erinnert es mich daran, besser weniger davon zu verspeisen. Meist aber riecht sie einfach nur nach meiner Kindheit.

Wie sehr bedauere ich Menschen, die wegen ihrer Allergie niemals diesen Genuss teilen können.

Auch in Sachen Geruchssinn: Katzen sind Individualisten

Kaffee, aber auch die unterschiedlichen Reaktionen auf Baldrian oder Katzenminze, sind für mich Indizien dafür, dass auch in Sachen Geruchssinn Katzen echte Individualisten sein müssen. Ganz getreu dem norddeutschen Motto: Wat den eenen sin Uhl, is den annern sin Nachtigall. Oder auf Hochdeutsch: Über Geschmack lässt sich nicht streiten.

Vielleicht hat alles aber auch viel damit zu tun, dass sich Katzen mit ihren Menschen zu einem Gruppengeruch verbinden. Wenn dazu ein wenig Kaffee oder eine besondere Liebe zu Baldrian gehören, respektiert die eine den anderen und nimmt so auch ein wenig olfaktorische Herausforderung gerne in Kauf.

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